Kosovo - Stärkerer Schutz für serbische Klöster vor UNESCO-Abstimmung

Prishtina (Pristina)/Belgrad/Paris (APA) - Kurz vor einer Abstimmung über die Aufnahme des Kosovo als Mitglied der UN-Kulturorganisation UNE...

Prishtina (Pristina)/Belgrad/Paris (APA) - Kurz vor einer Abstimmung über die Aufnahme des Kosovo als Mitglied der UN-Kulturorganisation UNESCO hat die kosovarische Polizei den Schutz serbischer Klöster im Land verstärkt. Dem für Montagmittag (ab 11.30 Uhr) angesetzten Votum war ein hartes Tauziehen zwischen dem Kosovo und Serbien - das sich einer Mitgliedschaft entgegenstellt - vorangegangen.

Die serbischen Behörden sind um die Aufschiebung der Abstimmung bis zur nächsten UNESCO-Generalkonferenz im Jahr 2017 bemüht, die kosovarischen rechnen hingegen fest damit, am Montag erstmals Mitglied einer UN-Organisation zu werden. Bisher konnte sich Prishtina nach einem Bericht der Tageszeitung „Koha Ditore“ die Stimmen von 92 der insgesamt 195 UNESCO-Mitglieder sichern. Die Aufnahme eines Staates erfordert eine Zweidrittelmehrheit, allerdings zählen Stimmenthaltungen nicht.

Der serbische UNESCO-Botschafter Darko Tanaskovic sprach am Montag von einem „äußerst ungewissen“ Ausgang. Außenminister Ivica Dacic fügte gegenüber dem TV-Sender RTS hinzu, er rechne mit zahlreichen Stimmenthaltungen.

Die UNESCO-Aufnahme des jüngsten Staates Europas war im September von Albanien beantragt worden. Dadurch würde dem Kosovo die Verwaltung aller Kulturerbestätten auf seinem Gebiet übertragen, darunter vier christlich-orthodoxe Stätten, welche die serbische Minderheit für sich reklamiert. Die kosovarischen Behörden gaben der UNESCO deshalb eine schriftliche Garantie, die zahlreichen Klöster und Kirchen der serbisch-orthodoxen Kirche im Land zu achten und deren Namen nicht zu ändern. Der Status der serbischen Kirche ist zudem in der Verfassung verankert.

Die Sorge um das serbisch-orthodoxe Kircheneigentum im Kosovo ist einer der Hauptgründe für den Widerstand Belgrads. Hintergrund ist auch eine dreitägige Gewaltwelle im März 2004, bei der 19 Menschen getötet und hunderte verletzt wurden sowie zahlreiche serbische Kirchen zerstört oder beschädigt wurden. Zudem hat Belgrad bis heute die Eigenständigkeit seiner früheren Provinz Kosovo nicht anerkannt, die Mitgliedschaft in einer UN-Organisation würde diese jedoch unterstreichen.

Das serbisch-orthodoxe Kircheneigentum umfasst nach serbischen Angaben 236 Kirchen, Klöster und sonstige Bauten und gilt teilweise bereits als UNESCO-Weltkulturerbe. Dies ist etwa der Fall bei dem serbisch-orthodoxen Kloster Decani, dem Patriarchat von Pec, dem eigentlichen Sitz der serbisch-orthodoxen Kirche, ferner dem Kloster von Gracanica und der Kirche der Mutter Gottes Ljeviska (Bogorodica Ljeviska) in Prizren. Belgrad ist der Meinung, dass die Frage des serbisch-orthodoxen Kircheneigentums im Rahmen des EU-geführten Normalisierungsdialogs in Brüssel gelöst werden sollte.

~ WEB http://www.unesco.org/new/en/ ~ APA187 2015-11-09/11:45