Flüchtlingskrise

Bundesheer in Kufstein: Freiwillige Helfer am Ende ihrer Belastbarkeit

Berufs- und Zeitsoldaten wurden sicherheitspolizeilich unterwiesen, 21 Rekruten wiederum unterstützen das Rote Kreuz im Flüchtlingscamp.
© Michael Mader

Ein wenig durchschnaufen heißt es nun für die vielen Freiwilligen in Kufstein, aber auch für die Polizei: Das Militär kam zur Unterstützung.

Von Michael Mader

Kufstein –Gestern Nachmittag traf im Camp in Kufstein erneut ein Bus aus der Steiermark mit Flüchtlingen ein. Alltäglichkeit in der Festungsstadt. Es war nur einer von vielen in den vergangenen Wochen.

„Insgesamt haben wir bis jetzt mehr als 11.000 Flüchtlinge betreut“, weiß Landesrettungskommandant Heinz Wolf. Für viele Helfer geht der ehrenamtliche Hilfseinsatz schon an die Grenzen der Belastbarkeit. Und der Flüchtlingsstrom dürfte nicht so schnell versiegen.

„Auf einen so langen Einsatz waren wir natürlich nicht vorbereitet. Es wird immer schwieriger, Leute zu finden, obwohl die Bereitschaft aus der Bevölkerung zum Mithelfen sehr groß ist“, sagt Bezirksrettungskommandant Gerhard Thurner.

Eine der vielen Helfer ist Petra Lechner aus Kufstein. Sie ist schon seit sechs Wochen im Einsatz – von der Essensausgabe bis hin zum Herrichten der Schlafräume. „Die ersten zehn Tage habe ich nicht wirklich schlafen können“, berichtet sie, „hier gibt wirklich jeder sein Letztes. Für das, was wir hier machen, wird man aber außerhalb des Camps auch noch angegriffen.“

Für die Helfer ist die Arbeit im Flüchtlingslager auch eine psychische Belastung. Mit ein Grund, warum das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes immer wieder vor Ort ist und notfalls das Gespräch sucht.

Trotzdem gibt es immer wieder auch positive Momente, wie Lechner berichtet: „Wir konnten das Baby einer Familie medizinisch versorgen lassen, das ansonsten gestorben wäre. Die Familie wurde schließlich im Exerzitienhaus Kleinholz untergebracht.“

Mit dem gestrigen Eintreffen der Soldaten in Kufstein soll auch die Belastung der Ehrenamtlichen geringer werden. 21 Rekruten werden dabei das Rote Kreuz unterstützen. „Bei der Verpflegung der Flüchtlinge und bei der Aufrechterhaltung der Infrastruktur im Gesamtlager“, erklärt Wolf.

Zudem übernehmen ab heute in enger Zusammenarbeit mit der Polizei 100 Berufs- und Zeitsoldaten der 6. Jägerbrigade sicherheitspolizeiliche Aufgaben. Ebenso wie die Polizei werden die Soldaten bewaffnet sein. „Die Pistole steckt aber in einem Sicherheitsholster, der vor einem Herausziehen der Waffe durch jemand anderen schützt“, erklärt Presseoffizier Willi Tilg. Den Assistenzeinsatz des Bundesheeres vor Ort wird Hauptmann Simon Alge leiten: „Unser Basislager wird die Wintersteller Kaserne sein, untergebracht sind wir aber im Bereich des Bahnhofs in Kufstein.“

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