„Morgen und Abend“ - Neue Haas-Oper vor Uraufführung in London

London (APA/dpa) - Für Liebhaber und Fans ist es eine Traumkombination: Der zeitgenössische österreichische Komponist Georg Friedrich Haas s...

London (APA/dpa) - Für Liebhaber und Fans ist es eine Traumkombination: Der zeitgenössische österreichische Komponist Georg Friedrich Haas stellt nach dem gleichnamigen Roman des norwegischen Bestseller-Autors Jon Fosse seine neue Oper „Morgen und Abend“ vor. Die Uraufführung ist am 13. November in London. Im April 2016 folgt die deutsche Premiere an der Deutschen Oper Berlin.

Die Koproduktion zwischen dem Royal Opera House Covent Garden in London und der Deutschen Oper hat mit Sarah Wegener, Christoph Pohl und Klaus Maria Brandauer in einer Sprechrolle eine hochkarätige Besetzung. Michael Boder dirigiert.

Für Fosse und Haas ist es nach der 2008 in Paris uraufgeführten Oper „Melancholia“ das zweite künstlerische Zusammenspiel. Das ist kein Zufall, wie Haas in einem dpa-Interview in London erklärt. „Ich habe mit Fosse eine wunderschöne Zusammenarbeit gehabt. Und wir wollten das gerne fortsetzen. Er weiß, was der richtige Text für mich ist.“

Haas, 1953 in Graz geboren, studierte unter anderem bei Friedrich Cerha (89) und gilt heute selbst als einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten. Seine Themen kreisen oft um den Tod, um Nacht und Dunkelheit. „Tod ist ein traditionelles Element der Oper“, sagt Haas. „Und was ich einfach möchte ist, dass wir uns mit diesem Thema liebevoll und angstlos auseinandersetzen. Nachdem ich selbst einmal die Nahtod-Erfahrung gehabt habe, glaube ich zu wissen, wovon ich spreche.“

Die lakonische Kargheit des Textes, die Mystik und schleppende Handlung von Fosses Roman wird in der Inszenierung von Graham Vick in ein weitgehend kontrastloses, minimalistisches Bühnenbild übersetzt. Ein Holzkahn, ein Bett, ein Stuhl - alles in hellem Silbergrau - bildeten bei einer Probe die Kulisse zu Brandauers eröffnendem Sprechmonolog, in dem er als Olai die Geschichte von Fischer Johannes erzählt.

Geburt, Tod, Übergang und Abschied, die existenziellen Fragen nach Glauben und der Rückkehr ins „Nichts“ vermittelt Haas durch sinnliche Klangsprache und intensive Ausdrucksform. Die Oper eröffnet mit einem gewaltigen Paukenschlag; eingespielte Schmerzensschreie, Licht, Dunkelheit und Stille wechseln sich ab. Beim „Übertreten der Schwelle“ zum Ende der Oper wird es gar so laut, dass das Orchester Ohrenschützer trägt, verrät Haas. „Ich will, dass man den Schmerz hört.“

Sopran Sarah Wegener spielt die Hebamme (Signe), Bariton Christoph Pohl singt die Rolle des Johannes, Will Hartmann (Tenor) ist Peter. Die niederländische Altistin Helena Rasker singt die Rolle der Erna.

„Ich will, dass man sich hineinsetzt mit offenem Herzen, mit offenem Kopf und mit offenen Ohren, und sich in dieses ästhetische Abenteuer bewegt“, wünscht sich Georg Friedrich Haas. „Mit möglichst wenig Vorurteilen, denn es ist wahrscheinlich anders als alle anderen Opern, die man vorher gehört hat. Ich will, dass man eine emotionale Erfahrung macht.“

„Es ist vielleicht nicht Jedermanns Geschmack, aber es dürfte ein kultureller Höhepunkt des Jahres werden“, sagte der britische Online-Dienst „Culture Whisper“ voraus.

(S E R V I C E - Die Weltpremiere von „Morgen und Abend“ findet am - 13. November in London statt. Die deutsche Erstaufführung in Berlin ist für den 29. April 2016 angesetzt.)