Tirol

Mister-Austria-Wahl: Ein erster Schritt zum Ruhm

Noch ein wenig die Muskeln aufpumpen, dann geht’s auf die Bühne.
© zeitungsfoto.at

Wird ein Tiroler der neue Mister Austria? Der Innsbrucker Diyar Kilic rechnet sich gute Chancen aus. Geht der Titel heute Abend an ihn, will er Laufstegmodel werden: "Ist weniger anstrengend."

Von Judith Sam

Innsbruck –Diyars Oberarme zittern, das Lächeln gefriert, sein Weltbild schwankt. Ein wenig zumindest: „Ich dachte, dass man als Mister Austria einfach nur gut aussehen muss.“ Wer hätte geahnt, dass Fotoshootings so anstrengend sind? Und schon wieder tadelt der Fotograf: „Nicht aufhören! Mach ruhig noch fünf Liegestütze. Lächeln. Pumpen. Kopf leicht nach hinten. Lächeln nicht vergessen.“

Die Socken des Innsbruckers, der neben 21 Konkurrenten um den Titel des Mister Austria ringt, rutschen über das Parkett – was die Liegestütze nicht unbedingt vereinfacht. „Wenn ich mir das so ansehe, würde ich lieber Laufstegmodel werden. Ist weniger anstrengend“, zieht der 18-Jährige ein Fazit.

Noch ist Diyar Kilic entspannt. Das wird sich in den kommenden Stunden allerdings ändern – denn um 20 Uhr muss er vor gut 300 Zusehern auf der Bühne der Grazer Shoppingcity Seiersberg beweisen, warum gerade er ganz offiziell zum schönsten Mann der Republik gewählt werden sollte: „Ich bin zuversichtlich, weil ich südländisches Flair mitbringe. Damit hebe ich mich sogar deutlich vom Kufsteiner Kaloyan Moradzhiev ab – dem zweiten Tiroler, der an der Wahl teilnimmt.“

Diyar Kilic und seine Mutter Gönül.
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Lediglich ein Manko gesteht Diyar ein – nach langem Überlegen: „Was die Muskulatur angeht, ist der eine oder andere vielleicht im Vorteil. Allerdings lässt sich das durch smartes Auftreten überspielen.“ Daran mangelt es dem Bürokaufmann in Ausbildung nicht: „Ich trainiere nicht nur Gesten und Mimik vor dem Spiegel, sondern auch, wie ich heute Abend auf verschiedene Interviewfragen antworten kann.“ Diyars Mutter Gönül zwinkert vielsagend, lächelt und wendet den Blick wieder zu einer türkischen Verkaufsshow, die im Fernsehen läuft.

Inzwischen lüftet Diyar sein Shirt: Römische Zahlen ziehen sich vom Brustbein bis zur Schulter: „Ich habe mir das Geburtsdatum meiner Mama tätowieren lassen.“ Auf die Frage, was Gönül davon hält, übersetzt Diyar: „Sie meint, dass wir uns auch so nahe stehen werden, wenn ich mal ausgezogen bin.“

Heute Abend wird die 43-Jährige ihren Sohn anfeuern – zusammen mit 13 anderen Familienmitgliedern und Freunden, die extra angereist sind. Die Kosten dafür muss die Familie selbst tragen. Bisher wurde die Mister-Wahl nämlich von der „Miss Austria Corporation“ durchgeführt. Heuer veranstaltet sie erstmals ein Mister selbst – „Philipp Knefz, der aktuelle Mister Austria. Seine Firma bezahlt nur unsere Übernachtung und Verpflegung“, schildert Diyar. Problem sei das allerdings keines, weil sein Vater eine erfolgreiche Reinigung nahe des Flughafens betreibt: „Vor gut 20 Jahren sind meine Eltern aus der Türkei nach Innsbruck gezogen. Mit deren früherer Heimat verbindet mich im Grunde nichts mehr. Nur einmal war ich für einen Monat in der Türkei, weil ich dort professionell Fußball gespielt habe. Aber für so etwas habe ich keine Zeit mehr. Ich konzentriere mich ganz auf die Wahl heute.“

Die Anforderungen auf der Bühne werden vielfältig sein: „Wir müssen eine Choreographie aufführen und unsere Körper in der Badehose präsentieren. Kein Problem!“ In den Vorrunden zur Wahl, in denen seit Ende Oktober Kandidaten ausgesiebt wurden, mussten die Männer bereits vielseitige Kompetenzen unter Beweis stellen. Vom Autowaschen für den karitativen Zweck, der Teilnahme an ,Red Bull 400’, wo man eine Sprungschanze emporläuft, bis zum Cocktailmixen. „Zu ein wenig Berühmtheit hat mir das bereits verholfen.“ Beim Ausgehen in Innsbruck kommt es etwa schon vor, dass man ihn erkennt: „Und manchmal fragen mich Mädchen auf Facebook, wieso ich trotz allem solo bin.“ Ein triftiges Argument hierfür hat Diyar allerdings nicht: „Aber vielleicht ändert sich das ja, wenn ich den Titel abräume. Dann bekomme ich einen Modelvertrag, reise um die Welt und kann an der Wahl zum Mister World teilnehmen.“

Sollte sich die Jury jedoch nicht für Diyar entscheiden, kann er seinen Emotionen morgen wenigstens freien Lauf lassen: „Dann treten wir gegen den neuen Mister im Paintball an.“

Das Outfit für die Mister-Austria-Wahl heute haben Diyar Kilic und seine Mutter Gönül bereits zusammengestellt.
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