Gerichtssplitter

Sozialarbeit nach Bürglkopf-Überfall

Letzten Oktober versetzten Kracher und Rauchbomben Asylwerber des entlegenen Heims Bürglkopf nächtens in Angst und Schrecken.
© Verena Hofer

In einer Oktobernacht sorgten vier junge Unterländer letztes Jahr mit einem gruseligen Feuerwerk vor dem Fieberbrunner Asylheim Bürglkopf fü...

In einer Oktobernacht sorgten vier junge Unterländer letztes Jahr mit einem gruseligen Feuerwerk vor dem Fieberbrunner Asylheim Bürglkopf für Angst und Schrecken — und österreichweit für Schlagzeilen. Nach Ermittlungen durch den Verfassungsschutz konnte jedoch kein anderes Motiv als die Rache für ein entwendetes Handy ermittelt werden. Im April ergingen vor dem Jugendgericht für die teils schon vorbestraften Burschen zur Hälfte bedingte 480 Euro, 320 Euro und 240 Euro Zusatzstrafe wegen gefährlicher Drohung. Gestern am Landesgericht fand sich noch der Vierte des Rauchbombenquartetts auf der Anklagebank ein. Aufgrund völliger Unbescholtenheit wurde ihm eine Diversion mitsamt 60 Stunden Sozialarbeit gewährt. Der 20-Jährige nahm gemeinnützige Arbeit anstatt Vorstrafe sofort dankend an.

Ebenso in einem außergerichtlichen Tatausgleich endete ein versuchter schwerer Betrug im Studentenmilieu. Ausgangspunkt war ein doppelt schmerzendes „Nicht genügend“ in der Diplomprüfung eines 26-Jährigen. Nicht nur, dass er durch die Prüfung gerasselt war, sollte der Studiosus deshalb im nächsten Semester nun auch noch ohne sein 480-Euro-Stipendium dastehen. Und dies, obwohl er schon 4000 Euro Schulden bei seiner Oma hatte. Darauf reichte der Student in seiner Verzweiflung bei der Stipendienstelle ein gefälschtes Zeugnis ein. Bald schon meldete sich diese und verlangte nach dem Original. Drei Jahre Haft können sogar für solch plumpe Fälschungen blühen. Richter Andreas Mair hatte fast schon Mitleid: Der voll Geständige und bislang völlig Unbescholtene willigte in 100 Stunden Sozialarbeit erleichtert ein.

Keinerlei Mitleid zeigte Richter Josef Geisler hingegen gestern mit einem Polen, der im Juli einen Bekannten mitten in Innsbruck völlig grundlos in den Würgegriff genommen und danach auf ihm kniend mit heftigsten Faustschlägen traktiert hatte. Erst ein mutiger Passant konnte die Situation entschärfen. Trotzdem musste der Misshandelte darauf reanimiert, notoperiert und lange im Koma gehalten werden. Der Pole wollte sich wegen Vollrauschs an nichts mehr erinnern können. Wegen Vorstrafen und besonderer Brutalität ergingen zwei Jahre Gefängnis.

Drei Monate Zusatzstrafe zu insgesamt neun Monaten Haft ergingen indes über einen jungen Marokkaner, der sich nicht mehr mit bereits abgeurteilten Diebstählen begnügte, sondern im August lieber gleich ganze Fensterscheiben einwerfen wollte. Die Auslage eines Innsbrucker Juweliers bewarf er dafür mit einem Kanaldeckel. Tags darauf bearbeitete der 18-Jährige die Scheibe eines Bahnhofs-Bazars mit einer Eisenstange von einer Baustelle. Kurios: Beim zweiten Vorfall lief der 18-Jährige wieder exakt demselben Polizisten in die Hände, der ihn schon tags zuvor verhaftet hatte. (fell)

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