Fußball: Koller sieht Absagen für ÖFB-Camp in Spanien auch als Chance

Wien (APA) - Teamchef Marcel Koller sieht die jüngsten Ausfälle in der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft auch als Chance. Der Schw...

Wien (APA) - Teamchef Marcel Koller sieht die jüngsten Ausfälle in der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft auch als Chance. Der Schweizer hat dadurch im einwöchigen Camp in Spanien die Gelegenheit, mögliche Ersatzkräfte für die EM kommendes Jahr in Frankreich unter die Lupe zu nehmen. Experimente im taktischen Bereich werde es aber nicht geben, betonte Koller am Montag vor dem Abflug in Wien-Schwechat.

Mit Torhüter Robert Almer, Martin Harnik und Zlatko Junuzovic fallen drei Stammkräfte für das letzte Länderspiel des Jahres am Dienstag in einer Woche (17. November) gegen die Schweiz verletzt aus. Dafür rückten mit Altach-Keeper Andreas Lukse, Mittelfeldspieler Robert Gucher von Serie-A-Aufsteiger Frosinone sowie den Offensivspielern Florian Kainz (Rapid) und Karim Onisiwo (Mattersburg) vier Neulinge ein.

„Es sind vier Spieler dabei, die wir noch nicht kennen. Die Neuen werden wir unter die Lupe nehmen“, kündigte Koller an. „So können wir diesen Pott an potenziellen Teamspielern vergrößern, sodass ein anderer einspringen kann, wenn etwas passiert im nächsten Jahr.“

In der so erfolgreichen EM-Qualifikation hat Koller, wenn möglich, immer auf seine Stammformation vertraut. Im Hinblick auf das Turnier in Frankreich sind Alternativen aber willkommen. „Wir haben absolutes Vertrauen in diese Spieler. Das Team hat in der Vergangenheit schon mal bewiesen, dass es Ausfälle verkraften kann“, betonte Koller. So viele Akteure gleichzeitig haben ihm zuletzt aber nie absagen müssen.

Auch Mainz-Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger musste am Wochenende pausieren, machte die Reise aber trotz seiner Sprunggelenksverletzung mit. „Das Ziel ist schon so, dass er bald einsteigen kann“, erklärte der Teamchef. Innenverteidiger Martin Hinteregger saß bei Salzburg zuletzt im Schlager gegen die Austria (1:1) nur auf der Tribüne. Koller: „Das betrifft das Nationalteam nicht, daher müssen wir uns da auch nicht einmischen.“

Stattdessen konzentriert er sich auf die Integration seiner neuen Spieler. Onisiwo wurde für Harnik, Kainz für Junuzovic nachnominiert. „Wir wollen uns ein Bild machen über ihre Stärken, über ihre Menschlichkeit“, sagte Koller über die vier Neulinge. „Bisher haben wir das nur von der Tribüne aus machen können. Jetzt siehst du mehr Details.“

Zweiter Schwerpunkt des Camps ist die Verfeinerung im taktischen Bereich. „Da wollen wir weiter unseren Weg gehen“, betonte Koller. Die Zeit für Experimente sieht er nicht gekommen. „Die ist nie da - zumindest sicher nicht mehr jetzt“, sagte der 54-Jährige knapp sieben Monate vor der EM. „Für ein neues System haben wir keine Zeit. Wir haben ein gutes.“ In der Qualifikation hat man damit neun von zehn Spielen gewonnen.

Reüssiert man auch gegen die Schweiz, würde das ÖFB-Team erstmals seit 1996 ein Länderspieljahr ohne Niederlage überstehen. Im Vorjahr hatte es die erste erst im abschließenden Test gegen Rekordweltmeister Brasilien (1:2) gesetzt. „Für das Team wäre es natürlich ein fantastisches Jahr, wenn wir das jetzt auch noch mit einem Sieg beschließen könnten“, sagte Koller. „Ich habe aber schon gesagt, dass es sehr ausgeglichen sein wird. Die Schweizer wollen auch gewinnen.“

Das sieht auch Marko Arnautovic so, der bei Stoke City mit Xherdan Shaqiri einen Schlüsselspieler der Eidgenossen zum Teamkollegen hat. „Er glaubt, er gewinnt. Ich glaube, wir gewinnen“, sagte Arnautovic über die internen Diskussionen.

In der FIFA-Weltrangliste liegen Österreich und die Schweiz mittlerweile auf den Rängen zehn bzw. elf. Arnautovic: „Wir haben eine starke Mannschaft und die Schweiz auch. Viele Spieler sind Legionäre, auch bei Topvereinen. Trotzdem wollen wir wieder Gas geben und drei Punkte holen.“

David Alaba freut sich vorerst auf eine Woche Training in wärmeren Gefilden. In Orihuela bei Alicante war das ÖFB-Team bereits vor zwei Jahren zusammengezogen. „Da können wir wirklich in Ruhe arbeiten. Ich glaube schon, dass es uns gut tut, mal ein bisschen weg zu sein von allem“, meinte der Bayern-München-Star.

Alaba hat in dieser Saison mit einer Ausnahme bisher alle Pflichtspiele der Bayern über die volle Distanz bestritten. „In den letzten Wochen waren es sehr viele Spiele. Sicherlich wird man da ein bisschen müde“, gestand Alaba. „Ich denke schon, dass es mir gut tut in dieser Woche, dass ich ein bisschen runterfahren kann.“ Eineinhalb Wochen hat sich der 23-Jährige schon lange nicht mehr auf ein Spiel vorbereitet.