Kosovo scheitert mit Antrag auf UNESCO-Aufnahme

Paris/Prishtina (Pristina)/Belgrad (APA/AFP) - Der Kosovo ist mit seinem Antrag auf Aufnahme in die UN-Kulturorganisation UNESCO gescheitert...

Paris/Prishtina (Pristina)/Belgrad (APA/AFP) - Der Kosovo ist mit seinem Antrag auf Aufnahme in die UN-Kulturorganisation UNESCO gescheitert. Die Resolution für die Aufnahme der früheren serbischen Provinz, die 2008 ihre Unabhängigkeit erklärt hatte, verfehlte am Montag in Paris die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit um lediglich drei Stimmen.

Insbesondere Serbien und Russland, die wie auch einige andere Staaten die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkennen, hatten sich vehement gegen die Aufnahme des Balkanstaates ausgesprochen, da dies eine politische Aufwertung bedeutet hätte.

92 Mitgliedstaaten stimmten für die Aufnahme des Kosovo, 50 dagegen und 29 enthielten sich. Nötig wären 95 Ja-Stimmen gewesen - es fehlten damit nur drei Stimmen. Die Aufnahme bei der Unesco hätte dem Kosovo Zugang zu Finanzmitteln im Bereich der Bildung und der Kultur gegeben. Außerdem wäre es ein erster Schritt zur Aufnahme als Vollmitglied bei den Vereinten Nationen gewesen. Das 1,8-Millionen-Einwohner-Land wird heute von 110 Ländern anerkannt, darunter 23 der 28 EU-Länder und die USA. Auch Österreich gilt traditionell als Unterstützer des jüngsten europäischen Staates.

Der kosovarische Außenminister Hashim Thaci gab sich nach der Abstimmung dennoch zuversichtlich. „Der Weg des Kosovo ist nicht aufzuhalten“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Sein Land werde sich erneut um eine Aufnahme in der UNESCO bemühen, kündigte er an. Dasselbe gelte für andere internationale Organisationen.

Zufrieden zeigte sich, wenige überraschend, auch Serbiens Präsident Tomislav Nikolic. „Wir haben bewiesen, dass, wenn wir alle im Interesse Serbiens arbeiten, das Unmögliche machbar ist“, erklärte er in einer Aussendung. Der „Sieg“ in der UNESCO sei nicht durch Geld, sondern die Achtung gesichert worden, welche die Staatengemeinschaft gegenüber Serbien und seinem Volk hege, unterstrich Nikolic.

Die Aufnahme des Kosovo hätte auch bedeutet, dass das junge Land die Verantwortung für vier Stätten der serbisch-orthodoxen Kirche auf seinem Gebiet übernommen hätte, die als Weltkulturerbe gelistet sind. Darunter sind die Klöster von Pec, Gracanica und Decani. Serbien hatte die Sorge geäußert, das „kulturelle und historische Erbe“ der Serben werde nicht bewahrt, und verwies auf Plünderungen während des Kosovo-Krieges 1998-99. Die Regierung in Pristina versicherte hingegen, die Stätten würden angemessen und fachgerecht geschützt.

Abt Sava, Vorstand des Klosters Decani, warnte am Montag von einer zu sehr von Emotionen geprägten Debatte. Zugleich zeigte er sich zufrieden über die Entscheidung der UNESCO in Paris. Die Chance für einen fairen Dialog und gegenseitige Vertrauensbildung habe gesiegt, sagte Sava gegenüber einem lokalen serbischen Rundfunksender im Kosovo. Belgrad hatte sich dafür ausgesprochen, die Frage des serbisch-orthodoxen Kircheneigentums im Rahmen des EU-geführten Normalisierungsdialogs in Brüssel zu behandeln.

~ WEB http://www.unhcr.org ~ APA366 2015-11-09/15:36