Flüchtlinge - Steinmeier in Italien fordert: „Größeres Miteinander“

Pisa (APA/dpa) - Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat bei der Einweihung eines Dokumentationszentrums zu Wehrmachtmassaker...

Pisa (APA/dpa) - Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat bei der Einweihung eines Dokumentationszentrums zu Wehrmachtmassakern in Italien mehr Gemeinsamkeit und Solidarität in Europa gefordert. „Für uns alle ist klar: Diese Herausforderung kann kein Land Europas alleine schaffen“, sagte der SPD-Politiker am Montag mit Blick auf die Ankunft Tausender Flüchtlinge in Europa.

Die Antwort darauf müsse „ein besseres, ein größeres Miteinander in Europa sein“, sagte er. Steinmeier weihte in der toskanischen Gemeinde Ponte Buggianese gemeinsam mit seinem italienischen Kollegen Paolo Gentiloni das Zentrum ein. Es soll an ein Massaker der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs 1944 erinnern, als deutsche Soldaten mehr als 170 Zivilisten ermordeten. „Trotz dieser schrecklichen Verbrechen, trotz dieses dunkelsten Kapitels unserer gemeinsamen Geschichte“ werde man als Deutscher mit Herzlichkeit begrüßt, lobte der Außenminister.

Das zeuge von Güte und Größe und zeige, „dass Italien und Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten einen langen Weg“ der Freundschaft und des Vertrauens zurückgelegt hätten, ergänzte Steinmeier. Er sei froh, dass es nun eine „Kultur des gemeinsamen Erinnerns, die lange gefehlt hat“, gebe. Steinmeier und Gentiloni legten gemeinsam einen Kranz nieder und zogen sich anschließend zu Gesprächen zurück.

Ein Thema sollte dabei auch der Umgang mit dem Flüchtlingsansturm in Italien und Europa sein. „Die Flüchtlingskrise stellt Europa derzeit vor eine seiner größten Bewährungsproben - vielleicht die größte überhaupt“, sagte Steinmeier in seiner Ansprache. „Italien erlebt dies jeden Tag auf dramatische Weise vor seinen Küsten.“ Anstatt eines Rückzugs auf die Nationalstaaten müsse sich Europa nun auf „seine Grundfesten“ Solidarität und Menschlichkeit besinnen.

Ein geplanter Besuch der Außenminister in Sizilien mit einem Termin auf einem Schiff der deutschen Marine musste abgesagt werden. Steinmeier hatte am Morgen wegen Problemen mit dem Regierungsflugzeug „Konrad Adenauer“ erst mit Verspätung nach Italien starten können.