Amnestie für kolumbianische Guerillaorganisation M-19 wird überprüft

Bogota (APA/dpa) - Ein Vierteljahrhundert nach der Demobilisierung der kolumbianischen Guerillaorganisation M-19 wird die Amnestie für die f...

Bogota (APA/dpa) - Ein Vierteljahrhundert nach der Demobilisierung der kolumbianischen Guerillaorganisation M-19 wird die Amnestie für die früheren Kämpfer überprüft. Sollte sich herausstellen, dass während der Besetzung des Justizpalasts Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt wurden, könnte die Straffreiheit aufgehoben werden, teilte am Montag die Generalstaatsanwaltschaft mit.

Die M-19 hatte am 6. November 1985 den Justizpalast in der kolumbianischen Hauptstadt besetzt und zahlreiche Menschen als Geisel genommen. Bei der Erstürmung des Gebäudes durch die Streitkräfte kamen 98 Menschen ums Leben, elf weitere verschwanden.

Vor wenigen Tagen räumte Präsident Juan Manuel Santos ein, dass das Militär für das blutige Ende der Geiselnahme verantwortlich war. Im vergangenen Jahr hatte der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte Kolumbien wegen übertriebener Gewaltanwendung verurteilt.

Eine Wahrheitskommission kam bereits 2007 zu dem Schluss, dass die Armee bei der Erstürmung des Justizpalastes zahlreiche Verbrechen beging. 2012 wurde der frühere Oberst Guillermo Plazas Vega, einer der Verantwortlichen für die Militäraktion, wegen einiger der Vermisstenfälle zu 30 Jahren Haft verurteilt.

Im September 1989 schlossen die kolumbianische Regierung und die M-19 nach fast einjährigen Verhandlungen ein Friedensabkommen. Die Rebellen der M-19 legten die Waffen nieder und konstituierten sich im Oktober als Partei. Ihr gehört unter anderem der Bürgermeister der Hauptstadt Bogota, Gustavo Petro, an.