Papst zu Besuch in Migrantenstadt Prato und Florenz

Vatikanstadt (APA) - Papst Franziskus hat am Dienstag den Vatikan verlassen, um das als chinesische Migrantenstadt bekannte Prato in der Tos...

Vatikanstadt (APA) - Papst Franziskus hat am Dienstag den Vatikan verlassen, um das als chinesische Migrantenstadt bekannte Prato in der Toskana und Florenz zu besuchen. Der eintägige Besuch in der Region erfolgt 29 Jahre nach jenem seines Vorgänger Johannes Paul II.. Schon seit den frühen Morgenstunden versammelte sich eine riesige Menschenmenge in Florenz, um auf den Papst zu warten.

Der Papst-Besuch in der Toskana beginnt in Prato, wo 50.000 der 190.000 Einwohner der Stadt Textilarbeiter aus China sind. Der Großteil von ihnen ist illegal und unter katastrophalen Bedingungen in Billiglohn-Firmen beschäftigt. Die Stadt ist Heimat der größten chinesischen Gemeinschaft des Landes. Das Zusammenleben zwischen Italienern und chinesischen Einwanderern in Prato ist nicht einfach. In den vergangenen 20 Jahren haben chinesische Unternehmer die Kontrolle über die Bekleidungsindustrie in Italiens Textilhochburg übernommen. Wegen des Konkurrenzdrucks mussten viele italienische Textilhersteller schließen.

Im Dezember 2013 war es in einer chinesischen Textilfabrik in Prato zu einem Brand mit sieben Toten gekommen. Dafür waren im Jänner drei Chinesen zu Strafen von bis zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Den Angeklagten wurden fahrlässige Tötung und Ausbeutung illegaler Arbeiter sowie Missachtung der Sicherheitsvorkehrungen am Arbeitsplatz vorgeworfen.

In Europas „drittgrößter chinesischer Stadt“ wird der Papst voraussichtlich das Thema des Kampfes gegen alle Formen moderner Sklaverei sowie die Aufnahme und Integration von Migranten ansprechen. Vor der Kathedrale der Stadt ist ein Treffen mit mehreren Arbeitern aus China geplant.

Nach seiner kurzen Station in Prato wird sich Franziskus in das nahe gelegene Florenz begeben, wo er vor dem „Nationalen Konvent der katholischen Kirche Italiens“ spricht. Es handelt sich dabei um eine Art nationale Synode von Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und engagierten Laien, die 1976 gestartet wurde und nunmehr zum fünften Mal stattfindet. Auf dem weiteren Programm der Toskana-Reise steht auch ein Mittagessen mit Bedürftigen in einer kirchlichen Armenküche.

Höhepunkt der eintägigen Reise ist am Nachmittag ein Gottesdienst unter freiem Himmel im Stadion von Florenz. An diesem wird auch die Familie von Ministerpräsident Matteo Renzi, dem vormaligen Bürgermeister von Florenz, teilnehmen. Renzi selbst wird allerdings nicht erwartet.