Internationale Pressestimmen zur Parlamentswahl in Myanmar

Naypyidaw (APA/dpa) - Die Zeitungen kommentieren am Dienstag die Wahlen in Myanmar mit einem erwarteten Sieg der Oppositionspartei NLD von A...

Naypyidaw (APA/dpa) - Die Zeitungen kommentieren am Dienstag die Wahlen in Myanmar mit einem erwarteten Sieg der Oppositionspartei NLD von Aung San Suu Kyi:

„Guardian“ (London):

„Die politische Rivalität zwischen den militärischen Machthabern und der (Oppositionspartei) NLD Aung San Suu Kyis ist jetzt subtiler geworden, bleibt aber weiterhin bestehen. Ihr Verhältnis wird geprägt durch widerwillige Partnerschaft und einen anhaltenden Machtkampf. Doch langfristig wird sich der Konflikt auf Reformen und den gesellschaftlichen Fortschritt in Myanmar konzentrieren. Die langen und ordentlichen Schlangen vor den Wahllokalen am Sonntag sind Symbol der Wunsches nach Wandel: Die Bevölkerung von Myanmar hat damit klarer und nachdrücklicher als in der Vergangenheit gezeigt, dass sie eine gesellschaftliche Erneuerung will. „

„Neue Zürcher Zeitung“:

„Die One-Lady-Show von (Oppositionsführerin Aung San) Suu Kyi ist kein Garant für eine stabile Entwicklung. Politische Gruppierungen, die auf einer einzigen zur Ikone gewordenen Figur basieren, sind nicht besonders vertrauenerweckend. Überdies hat auch Aung San Suu Kyi kein Rezept, wie den grossen Minderheitenproblemen, die Burma seit je instabil machen, begegnet werden könnte. Im Gegenteil, sie erweckte als Parlamentarierin eher den Eindruck, dass sie als Burmesin wenig Interesse für die vielen anderen Ethnien im Lande hat. Wahlen allein machen keine Demokratie. Burma steht erst am Anfang eines langen Weges. Nach Jahrzehnten der Militärdiktatur ist Geduld geboten. Solange sich Burmas Politik in Richtung Öffnung und Pluralität bewegt, verdient sie kritisches Wohlwollen.“

„Nepszabadsag“ (Budapest):

„Suu Kyi wurde verfolgt und gedemütigt, (...) doch sie verlor nie die Bodenhaftung. Nie rief sie nach Rache. Dem Präsidenten des Landes, einem früheren General, bot sie die Hand, um Myanmar gemeinsam auf einen neuen Weg zu bringen. Die Lady ist nicht perfekt, auch sie ist nur ein Mensch. Trotzdem vergleichen sie schon viele mit Mahatma Gandhi, Matin Luther King oder Nelson Mandela. Denn auch ihre Wirkung beruht auf moralischer Autorität. Diese ist stärker als eine Armee. Und als eine Diktatur.“

„Diena“ (Riga):

„Vergleichsweise demokratische Wahlen und der Erfolg der Opposition bedeuten nicht, dass in Myanmar rasche politische Veränderungen anstehen. Denn das Militär, das das arme und sehr zerrissene Land ein halbes Jahrhundert lang regiert hat, wird weiterhin großen Einfluss haben.“

„Dernieres Nouvelles d‘Alsace“ (Straßburg):

„Sollte die Armee die bittere Pille eines haushohen Erfolgs der Partei der Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi akzeptieren, so müssen die Militärs ihr aber auch freien Weg lassen. Durch einen Kunstgriff in der Verfassung wird sie an der Übernahme des Präsidentenamtes gehindert, auch wenn sie erklärt hat, die Zügel der Regierung persönlich zu übernehmen. Doch die Militärs behalten sie im Visier. Der Machtkampf könnte für Aung San Suu Kyi gefährlich werden. Ihr Land ist arm und wird von ethnischen und religiösen Konflikten erschüttert. Um es aus der Diktatur zu führen, muss Aung San Suu Kyi ihr Land erst einmal aufrichten und heilen.“