Landesgericht

„Haxlsteller-Prozess“ für Lehrerin endgültig verloren

Eine Pädagogin, die über Schülerbeine gestolpert war, bekommt kein Schmerzensgeld. Auch eine Berufung blieb erfolglos.

Von Catharina Oblasser

Lienz –Böse Absicht, unglücklicher Zufall oder sogar eigenes Verschulden? Darum drehte es sich in mehreren Verhandlungen, erst am Bezirksgericht Lienz, dann am Landesgericht Innsbruck.

Der Vorfall, um den gestritten wurde, ereignete sich im Juni 2014 an einer Lienzer Schule – die Tiroler Tageszeitung berichtete. Ein damals 14-Jähriger hatte im Zeichenunterricht die Beine unter der Schulbank ausgestreckt, während er sich seiner Arbeit widmete. Die Lehrerin, die gerade die Zeichenmappen einsammelte, stürzte über die ausgestreckten Beine und verletzte sich. Mehrere Wochen Krankenstand waren die Folge. Die Lehrkraft warf dem Burschen böse Absicht vor und verlangte 1700 Euro Schmerzengeld. Die Familie des Schülers wies beides zurück. Dieser habe sogar noch versucht, seine Beine zurückzuziehen, als er die Lehrerin bemerkte – doch zu spät.

Die Fronten waren von Anfang an verhärtet, obwohl die Lehrerin letztlich den bösen Vorsatz nicht mehr unterstellte. Schuld an ihrem Sturz sei der Bursche aber trotzdem, meinte sie. Ein 14-Jähriger müsse wissen, dass ausgestreckte Beine andere Personen zu Sturz bringen könnten, so der Anwalt der Lehrerin, Gernot Gasser. Ein Versuch von Bezirksrichterin Sonja Egger, in der ersten Verhandlung im Februar 2015 eine außer­gerichtliche Einigung zu erzielen, war umsonst.

Inzwischen ist der Aufsehen erregende Fall ausjudiziert. Sowohl Bezirks- als auch Berufungsgericht wiesen das Ansinnen der Pädagogin zurück. Unter anderem wies das Berufungsgericht in Innsbruck darauf hin, dass der Bursche seine Beine schon längere Zeit unter der Schulbank ausgestreckt hatte und die Lehrerin gewusst habe, dass großgewachsene 14-Jährige in ihrer Zeichenklasse das öfters tun. „Eine besondere Verhaltenspflicht, seine Füße nicht unter der Schulbank auszustrecken, damit sie nicht dahinter in den Zwischenraum zur davorstehenden Schulbank ragen, kann nicht erkannt werden“, so der Vorsitzende am Landesgericht, Richter Manfred Obermeir. Die Lehrerin hätte besse­r aufpassen müssen, heißt es sinngemäß im Urteil.

Da half auch nicht, dass Anwal­t Gasser von den ausgestreckten Füßen des Burschen als „typische Fuß­gängerfalle“ sprach, die nicht mit dem „Freibriefargument zugunste­n unfolgsamer Schüler“ entschuldigt werden dürfe. Denn dadurch könnten diese mit einer „Vollkaskomentalität durch die Schule“ gehen.

Der Lienzer Anwalt Gerhar­d Seirer, der den Schüler vertrat, ist froh, dass die Angelegenheit abgeschlossen ist. „Es gibt jetzt kein weiteres Rechtsmittel mehr“, informiert Seirer. Die Lehrerin muss die Verfahrenskosten von 280 Euro tragen.

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