Familie

Karenz: Frühwarnung für Wiedereinsteiger

Job und Kind unter einen Hut bringen zu sollen, bereitet vielen Frauen beim beruflichen Wiedereinstieg Kopfzerbrechen.
© iStock/Mlenny

Um eine Rückkehr in den Job zu erleichtern, erhalten Mütter und Väter ein halbes Jahr vor Karenzende nun Post. Sorgen um die Kinderbetreuung und das Einstehen für sich selbst, das soll in Info-Veranstaltungen geklärt werden.

Von Margit Bacher

Innsbruck –Geht auch der Vater in Karenz, schaffen Mütter leichter die Rückkehr in den Beruf – das zeigt das aktuelle Wiedereinstiegsmonitoring der Arbeiterkammer (AK). Laut dieser Studie wirken sich kürzere Modelle des Kinderbetreuungsgeldes deutlich positiver auf die partnerschaftliche Teilung der Karenz und damit auf einen gelungenen beruflichen Wiedereinstieg aus. Allerdings teilen sich nur 6,5 % der Tiroler Eltern die Karenz.

Dass aber auch die finanzielle Situation die Entscheidung bezüglich Wiedereinstieg beeinflusst, hat Bärbel Achatz herausgefunden. Sie hat für ihre Masterarbeit zum Thema „Der Wiedereinstieg von Frauen in den Arbeitsmarkt nach längerer Familienphase“ die Sicht von Müttern betreuungspflichtiger Kinder aus dem Bezirk Schwaz untersucht. Wann zurück in den Beruf? Bei der Beantwortung dieser Frage scheint vor allem die Kinderbetreuung im Vordergrund zu stehen. Achatz zieht in ihrer Arbeit – in Bezug auf den beruflichen Wiedereinstieg – den Schluss: „In jedem Fall zählt für die Frauen das Hier und Jetzt und nicht die eigene Versorgung in einer ungewissen Zukunft.“

Damit aber niemand in Tirol den beruflichen Wiedereinstieg nach der Karenzzeit verpasst, verschickt das Arbeitsmarktservice (AMS) Tirol seit 1. Oktober erstmalig gezielt Briefe – auch an wiedereinsteigende Männer. Ein halbes Jahr vor Ende der jeweiligen Karenzzeit erhalten ab sofort alle Kinderbetreuungsgeld-Bezieher das AMS-Schreiben mit dem Titel „Wenn Ihr Wiedereinstieg konkret wird – Informationen für Ihre erfolgreiche Rückkehr ins Berufsleben“.

Als Wiedereinsteiger definiert das AMS jene Personen, die seit dem Kinderbetreuungsgeld-Bezug keine in Summe über 365 Tage dauernde Beschäftigung über der Geringfügigkeitsgrenze ausgeübt haben. In diese Zielgruppe fallen aber auch Frauen mit Kinderbetreuungspflichten bis zum 15. Geburtstag des Kindes, die den beruflichen Erst- bzw. Wiedereinsteig planen.

Die erste Wiedereinsteiger-Infoveranstaltung wird am 23. Februar 2016 in der AMS-Regionalstelle in Schwaz stattfinden. Beratung gibt es an diesem Abend nicht nur vom AMS. Wiedereinsteiger werden in arbeitsrechtlichen Fragen von der AK und in sozialrechtlichen Angelegenheiten von der Tiroler Gebietskrankenkasse beraten. Nur in Tirol veranstaltet das AMS die regionalen Infoabende in Kooperation mit den Bezirksvertretungen der AK und TGKK, jeweils in den AMS-Regionalstellen.

die Infoabende in allen regionalen Geschäftsstellen, „Wir haben so viele Frauen in Tirol, die bildungsmäßig gut aufgeholt haben und zu Hause sitzen, wo dieses Wissen vergammelt“, sagt Gaby Dallinger-König vom Referat Arbeitsmarktpolitik für Frauen beim Arbeitsmarktservice (AMS) Tirol. Sie hofft, dass viele Frauen sich auch in ihrem beruflichen Frausein beraten lassen. Dallinger-König kann auch nachvollziehen, dass das Halbtags-Schulsystem und fehlende Kinderbetreuung den Wiedereinstieg oft zusätzlich erschweren – gerade für Alleinerzieherinnen.

„Wenn Männer nach der Väterkarenz zurück in den Job gehen, dann arbeiten sie meistens wieder in Vollzeit“, berichtet Martin Christandl von der Männerberatungsstelle „Mannsbilder“. Und in der Beratung sei ihm noch ein weiterer Unterschied aufgefallen: „Es ist unglaublich, mit wie viel Hilfe ein alleinerziehender und berufstätiger Mann rechnen kann.“ Dieser bekomme, im Gegensatz zu vielen Alleinerzieherinnen, überraschend schnell und tolle Hilfe von der Nachbarin, der eigenen Mutter, von Müttern aus dem nahen Umfeld oder von der neuen Partnerin. „Frauen haben es in der gleichen Situation oft weitaus schwerer, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen“, bedauert Christandl.

Ein Wiedereinsteiger-Management bieten oft nur große Betriebe an, wie beispielsweise die tirol kliniken für ihre Ärzteschaft und das Pflegepersonal. In Klein- und Mittelbetrieben werde über das Zurückkommen nach der Karenz oft gar nicht geredet, erzählen Mütter – auch, weil sie selbst sich mitunter nur noch in ihrer Mamarolle wahrnehmen und darauf vertrauen, dass der Partner für die Familie sorgt. „Aber schaut man sich die durchschnittliche Haltbarkeit von Beziehungen an, befinden sich diese Frauen schnell in einer prekären Situation“, warnt Gaby Dallinger-König vom AMS. Das gelte auch für Teilzeitbeschäftigungen.

Selbstcheck für den beruflichen Wiedereinstieg:

Zeitfaktor: Wann ist der richtige Zeitpunkt für meine Berufsrückkehr?

Vereinbarkeit: Wie kann ich meinen Beruf mit meiner derzeitigen familiären Situation vereinbaren?

Rückkehr: Kann ich in meinen alten oder erlernten Beruf einsteigen?

Vollzeit oder Teilzeit: Wie viele Stunden kann ich täglich arbeiten gehen?

Kinderbetreuung: Worauf muss ich bei der Betreuung meiner Kinder achten?

Qualifikation: Sind meine beruflichen Qualifikationen am Arbeitsmarkt noch gefragt?

www.ams.at/wiedereinstieg Auf dieser Internetseite ist unter „Wiedereinstieg konkret“ alles Wissenswerte zum Thema Wiedereinstieg, Kinderbetreuung, berufliche Um- oder Neuorientierung und Qualifizierung aufbereitet.

Persönliche Beratung bietet das AMS, das Beratungszentrum Frauen im Brennpunkt oder Coaches.

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