Karenz

Eine Frage des Zutrauens

© Ullmann

Väterkarenz scheitert nicht selten an den Müttern. Wer geht, wird häufig beäugt.

Von Margit Bacher

Telfs –Martin Christandl hat in der Männerberatung „Mannsbilder“ mit Fällen zu tun, „wo Männer an den eigenen Frauen scheitern, wenn sie in Väterkarenz gehen wollen“. Die Gründe dafür sind ganz verschieden: Manche Frauen wollen nicht mehr berufstätig sein und entscheiden, sich ganz dem Kind widmen zu wollen. In einigen Fällen sind es aber auch schlichtweg wirtschaftliche Umstände, die den Mann zwingen, auf seine Väterkarenzzeit zu verzichten. Die Familie könnte in diesen Fällen meist nicht finanziell überleben, weil die Frau über ein zu geringes oder gar kein Einkommen verfügt.

Robert Ullmann war in Väterkarenz. Er hat sich mit seiner Frau die erste Zeit mit Nick geteilt „und jede Minute ausgekostet“, sagt er. Was ihm damals aufgefallen ist: „Mütter trauen ihren Partnern irgendwie nicht zu, dass diese mindestens genauso gut für das eigene Kind sorgen können wie sie selbst.“ Im Schwimmbad, im Alpenzoo, auf Spielplätzen – egal wo er mit seinem Sohn war, er hatte oft das Gefühl, unter kritischer Beobachtung zu stehen, so nach dem Motto: Hat er wohl heißes Wasser für das Fläschchen mit dabei oder das Wickelzeug? Wie reagiert er, wenn der Bub zu weinen beginnt oder beim Einkaufen die bunten Kleinigkeiten an der Kassa haben will und sie in den Mund steckt?

Für Gaby Dallinger-König vom Referat Arbeitsmarktpolitik für Frauen beim AMS Tirol ist dieses Verhalten nachvollziehbar: „Wenn man Vollzeitmama sein will, dann verteidigt man sein Revier und seine Kompetenz“, sagt sie.

Erfreulicherweise zeigt eine aktuelle AK-Studie: Immer mehr Väter gehen in Tirol in Karenz, dafür aber immer kürzer. Waren es im Jahr 2006 noch rund 6 %, stieg die Zahl bis zum Jahr 2012 auf rund 13 %. Trotz dieser positiven Entwicklung liegt der Männeranteil in Tirol immer noch deutlich hinter dem österreichischen Durchschnitt, der bei 17 % liegt.

Dass er es sich als Krankenpfleger bei den tirol kliniken ja leisten kann, in Väterkarenz zu gehen, diesen Spruch hat Robert Ullmann bereits zigfach gehört. „Für mich war und ist das aber eine Frage der Wertigkeit“, sagt er. Er findet, würden sich Paare die Karenzzeit teilen und später auch die Kinder-Betreuungszeiten, dann würde jeder auch mehr Verständnis füreinander haben und Familie viel bewusster wahrgenommen werden. Und mit finanziellen Einbußen müsse ja wohl jeder in der Karenzzeit rechnen.

Martin Christandl von den „Mannsbildern“ findet es oft als Bruch und sehr schade, dass Väter nach ihrer Karenzzeit meist wieder nur in Vollzeit arbeiten. „Aber Männer identifizieren sich in den meisten Fällen mit ihrem Beruf, es gehört zu ihrem Selbstverständnis dazu“, sagt er. Vielen sei gar nicht bewusst, dass Arbeitszeit verhandelbar ist. Väterkarenz ist für viele Betriebe nach wie vor ein rotes Tuch, weiß Christandl aus dem Beratungsalltag. Trotzdem habe er ein gutes Gefühl: „Die junge Männer-Generation will eine aktive Vater-Generation sein.“

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