Literaturnobelpreisträgerin warnt vor russischem Nationalismus

Paris (APA/AFP) - Die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch hat sich beunruhigt über die Wiederkehr des russischen Nationalismu...

Paris (APA/AFP) - Die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch hat sich beunruhigt über die Wiederkehr des russischen Nationalismus geäußert. „Wovor ich Angst habe, ist der russische Nationalismus“, sagte die weißrussische Schriftstellerin der Nachrichtenagentur AFP. „Wir wissen alle, dass jeder Nationalismus zum Faschismus führt. Das ist das Gefährliche.“

Die 67-Jährige, die im Dezember den Literaturnobelpreis in Stockholm erhalten soll, äußerte zudem Zweifel, dass die vom Westen nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim verhängten Sanktionen der richtige Weg seien.

Sie sei kürzlich bei einer Reise durch Sibirien überrascht von der Wirkung der Sanktionen gewesen, sagte die Autorin. „Auf der einen Seite treffen die Sanktionen die Wirtschaft und schwächen die Macht der Diktatur. Doch zugleich helfen sie, das Volk zu einen“, sagte Alexijewitsch, die in ihren Büchern den einfachen Leuten eine Stimme gibt. „Sie schaffen ein Bild des Feindes: Europa ist ein Feind, die USA sind ein Feind, und das Ergebnis ist, dass die Nation sich um einen Führer schart, um einen Diktator“, warnte Alexijewitsch.

Die Schriftstellerin verwies darauf, dass Russlands Präsident Wladimir Putin von großen Teilen der Jugend verehrt werde. Sie äußerte aber die Hoffnung, dass ein Erfolg der Demokratie in der Ukraine eine positive Wirkung haben werde. „Wenn die Ukraine es schafft, sich zu erheben und ein wirklich freies Land zu werden, wäre das das beste Argument für die Menschen“, die bisher vom Nationalismus geblendet seien, sagte Alexijewitsch. Sie glaube aber, dass der Weg zur Demokratie nach einem halben Jahrhundert des Kommunismus noch lang ist.

„Das geht nicht schnell, wirklich nicht schnell“, sagte Alexijewitsch, die über die großen Tragödien der Sowjetzeit wie das Atomunglück von Tschernobyl, den Afghanistankrieg und den Zerfall der Sowjetunion geschrieben hat. „In den 90er Jahren, nachdem wir die Perestroika begonnen hatten, hofften wird, dass (die Demokratie) rasch kommen würde. Doch wir waren romantisch, naiv.“ Menschen, die lange in einem Lager gelebt hätten, könnten nicht von einen Tag auf den anderen frei sein. „Das wird kommen, aber nicht schnell“, sagte Alexijewitsch.

(AFP-Gespräch)