Psychothriller voller Wendungen: „fremd“ von Poznanski und Strobel

Berlin (APA/dpa) - Ursula Poznanski hat in Romanen wie „Blinde Vögel“ und „Stimmen“ gezeigt, dass sie spannende Romane schreiben kann, Arno ...

Berlin (APA/dpa) - Ursula Poznanski hat in Romanen wie „Blinde Vögel“ und „Stimmen“ gezeigt, dass sie spannende Romane schreiben kann, Arno Strobel in Thrillern wie „Das Dorf“ und „Der Trakt“. Jetzt haben sie gemeinsam den Roman „fremd“ geschrieben.

Die Geschichte beginnt, wie schon viele vor ihr. Eine junge Frau bemerkt entsetzt, dass jemand in ihr Haus eindringt. Fliehen kann sie nicht mehr, also bleibt ihr nur übrig, dem Eindringling gegenüberzutreten. Seltsam ist nur, dass sich dieser sehr gut im Haus auskennt. Und merkwürdig ist auch seine Reaktion, als sie auf den Fremden trifft. Er greift sie nicht an, er flüchtet auch nicht. Überrascht registriert sie, dass er einfach nur mit ihr spricht.

Dann kommt ein Mann nach Hause, stellt fest, dass seine Jacke an der Garderobe fehlt. Er hört seine Freundin kommen und will sie nach der Jacke fragen. Aber dazu kommt es nicht. Sie reagiert völlig panisch auf ihn, erkennt ihn nicht einmal.

Immer abwechselnd schildern die beiden Hauptfiguren des Romans ihre Erlebnisse. Joanne, die gebürtige Australierin, ist überzeugt davon, allein zu leben. Den Mann, der behauptet, ihr Verlobter zu sein, kennt sie nicht, aber sie kann sich auch nicht erklären, warum er so viele Details über sie weiß. Erik andererseits lebt seit Monaten mit Joanne zusammen und versteht nicht, was vor sich geht.

„Jeder von uns hat seine eigene Version“, klagt Joanna. „Meine Version könnte genauso wahr sein wie deine. Wie kannst du sicher sein, dass ich es bin, mit der etwas nicht stimmt?“ Aber sie verstehen, dass sie nur gemeinsam eine Chance haben.

Für Joanna wird alles immer unverständlicher. Nicht nur, dass sie den Mann in ihrem Haus nicht kennt, sie verspürt auch den unerklärlichen Zwang, sich selbst zu verletzen und den Mann zu töten. Erik muss sich vor ihr in Acht nehmen, dabei hat er gerade eigentlich ganz andere Probleme zu lösen. Er scheint, dass sein Chef ihn aus einen neuen wichtigen Projekt heraushalten will, in das er als Chef der IT-Abteilung einer Energiefirma eingebunden sein müsste.

Die merkwürdigen Vorfälle häufen sich. Immer weniger verstehen die beiden Erzähler, was vor sich geht. Sie misstrauen allen Menschen um sich herum. Aber sie sind auch einander fremd. Und Joanna ist von diesen Entwicklungen so verwirrt, dass sie sich selbst nicht mehr traut und sich selbst fremd geworden ist.

Meisterhaft erhöhen Poznanski und Strobel von Kapitel zu Kapitel die Spannung. Bisweilen nur durch kleine Details, dann wieder in Actionszenen. Hinzu kommt der geschickte Wechsel der beiden Erzählperspektiven. Häufig schließen die Kapitel chronologisch aneinander an, aber es gibt auch Lücken ebenso wie Szenen, die aus beiden Perspektiven erzählt werden.

Immer wieder versuchen die beiden Hauptfiguren, aus ihrer Situation zu entkommen, und immer neue Widerstände stellen sich ihnen entgegen. Und ständig leben die beiden in der Angst, dass die größte Gefahr von ihnen selbst ausgehen könnte.

Erst als die Lage der beiden aussichtslos geworden ist, wird klar, was eigentlich hinter diesen merkwürdigen Geschehnissen steckt. Diese Erklärung ist genauso überraschend wie das meiste, das den beiden Hauptpersonen passiert. Ursula Poznanski und Arno Strobel zeigen in „fremd“, dass ihr gemeinsames Projekt das Risiko der Zusammenarbeit wert war. Auf eine weitere Zusammenarbeit darf gehofft werden.

(S E R V I C E - Ursula Poznanski und Arno Strobel: „fremd“, Wunderlich Verlag, 394 S., 17,50 Euro)