Neuer Vatileaks-Skandal: Vier Kardinäle befragt

Vatikanstadt (APA) - Der Skandal um entwendete Dokumente zur Finanzlage im Vatikan sorgt täglich für neue Schlagzeilen. Die vatikanischen St...

Vatikanstadt (APA) - Der Skandal um entwendete Dokumente zur Finanzlage im Vatikan sorgt täglich für neue Schlagzeilen. Die vatikanischen Staatsanwälte, die in dieser Causa ermitteln, haben vier Kardinäle befragt. Die Fragen kreisen um finanzielle Missstände im Vatikan sowie um die Veruntreuung von Spendengeldern, wie die römische Tageszeitung „Il Messaggero“ am Dienstag berichtete.

Die Staatsanwälte ermitteln wegen des rätselhaften Verschwindens einer Liste vatikanischer Immobilien, die an Prominente und Bekannten von Kirchenmännern zu Spottpreisen vermietet worden seien. Einige Immobilien in Rom wurden als Hotels und sogar als Sauna vermietet, wie italienische Medien berichteten. Vier Milliarden Euro wird das Immobilienvermögen des Vatikan in Rom geschätzt.

Auf rund zehn Milliarden Euro werden die Immobilien geschätzt, die der Vatikan in Rom und im Ausland, darunter in der Londoner City und in Paris, besitzt. Der Papst will ein Projekt zur stärkeren Zentralisierung bei der Verwaltung der Immobilien durchsetzen, die zur Zeit unter Kontrolle der Güterverwaltung APSA stehen. Der Heilige Vater will alle Gebäude genau unter die Lupe nehmen, über die der Vatikan verfügt, verlautete aus dem Vatikan.

Der Papst drängt auf die Erstellung einer vollständigen Liste der Immobilien und einen genauen Bericht über deren Nutzung. Der C-9, der Kardinalsrat, der den Papst in punkto Reformen berät, überprüfe schon seit Monaten ein Projekt, wonach die Verwaltung der Immobilien einem „Asset Manager“ anvertraut werden soll, heißt es im Vatikan. Dieser soll für die Instandhaltung und die Mietverträge zuständig sein und vom Papst selbst ernannt werden. Das Projekt wurde angeblich wegen interner Widerstände in der Kurie noch nicht umgesetzt.

Wegen der Entwendung der Dokumente über die Finanzlage des Vatikan war vor zehn Tagen der spanische Prälat Lucio Angel Vallejo Balda festgenommen worden, der sich seitdem bei der vatikanischen Gendarmerie in Untersuchungshaft befindet. Ermittelt wird auch gegen die PR-Beraterin Francesca Chaouqui. Die beiden werden beschuldigt, den Investigativjournalisten Nuzzi und Emiliano Fittipaldi heikle Dokumente über Missstände und Veruntreuung von Spendengeldern in der Kirche zugespielt zu haben. Die Sachbücher der beiden Journalisten wurden vergangene Woche veröffentlicht. Gerüchte, nach denen der Vatikan auch gegen einen ehemaligen RAI-Manager ermittelt, wurden am Samstag dementiert.