Aus diesen afrikanischen Ländern kommen die meisten Flüchtlinge

Wien (APA/dpa) - Hunderttausende Afrikaner versuchen jedes Jahr über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen - Tendenz steigend. Nach Syrien,...

Wien (APA/dpa) - Hunderttausende Afrikaner versuchen jedes Jahr über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen - Tendenz steigend. Nach Syrien, Afghanistan und dem Balkan kommen die meisten Flüchtlinge aus dem kleinen ostafrikanischen Staat Eritrea. Auch aus Nigeria, Somalia und anderen Ländern des Kontinents zieht es viele in Richtung Europa. Ein Blick auf die Fluchtursachen:

Eritrea

In Österreich ist die Zahl der Asylanträge von Eritreern relativ gering. Anders in der übrigen EU, wo zwischen Juli 2014 und Juli 2015 34.500 Menschen aus dem Land am Horn von Afrika um Schutz ansuchten. Insgesamt sind damit seit 2012 bereits mehr als 100.000 Eritreer in die EU, nach Norwegen und in die Schweiz geflohen. Zudem sind mehr als 200.000 Eritreer in Nachbarländer geflohen.

Das Regime in Eritrea unterdrückt systematisch die Freiheitsrechte seiner Bürger: Seit 1993 gab es keine Wahlen, freie Meinungsäußerung wird beschnitten, es gibt auch keine freie Presse oder eine nennenswerte politische Opposition. Einer der Hauptgründe, der junge Menschen in die Flucht treibt, ist der zeitlich oft unbegrenzte Wehrdienst. Menschenrechtsgruppen sehen darin eine moderne Form der Sklaverei.

Nigeria

In Österreich waren Nigerianer 2015 die sechstgrößte Flüchtlingsgruppe, 1.702 suchten bis Ende September hierzulande um Asyl an. In der gesamten EU waren es zwischen Juli 2014 und Juli 2015 fast 21.700 Nigerianer. Der Nordosten des ölreichen Landes, der größten Volkswirtschaft Afrikas, wird von der islamistischen Terrormiliz Boko Haram heimgesucht. Mehr als zwei Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht, mindestens 170.000 haben UNO-Daten zufolge in Nachbarländern Zuflucht gesucht. Seit 2009 sind bei Angriffen und Anschlägen der Gruppe mindestens 14.000 Menschen getötet worden.

Somalia

16.400 Somalis sind zwischen Juli 2014 und Juli 2015 vor anhaltender Gewalt und Hunger in dem Land am Horn von Afrika nach Europa geflohen. Somalia hat seit 1991 keine funktionierende Zentralregierung mehr, Teile des Landes werden von der islamistischen Al-Shabaab-Miliz beherrscht. Die sunnitischen Fundamentalisten kämpfen für einen sogenannten Gottesstaat mit strengster Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia. Bei Verstößen gegen die strengen Gebote kommen drakonischen Strafen zur Anwendung, etwa Steinigungen bei Ehebruch und Handamputationen bei Diebstahl. Knapp eine Million Menschen sind laut dem UNO-Flüchtlingshilfswerk zufolge in Nachbarländer geflohen.

Mali

Knapp 10.300 Menschen flohen laut Eurostat zwischen Juli 2014 und Juli 2015 aus Mali nach Europa. Der westafrikanische Staat gehört einem UNO-Index zufolge zu den ärmsten Ländern der Welt. Zudem wird der Norden des Landes seit Jahren von Kämpfen zwischen Islamisten, kriminellen Banden und Regierungstruppen erschüttert. Seit 2013 versuchen die Vereinten Nationen mit einer rund 11.000 Mann starken Blauhelmtruppe dort für Ordnung zu sorgen. An ihr will sich ab Anfang 2016 auch Österreich mit vorerst 15 Mann beteiligen.

Gambia

Das westafrikanische Gambia wird seit 1994 mit harter Hand von Präsident Yaya Jammeh regiert. 12.500 Menschen flohen im vergangenen Jahr aus dem kleinsten Land Afrikas, das bis auf einen Küstenstreifen ganz vom Senegal umschlossen wird. Rund die Hälfte der Menschen in Gambia sind UNICEF zufolge Analphabeten. Das Land gehört UNO-Daten zufolge zu den ärmsten Ländern der Welt.

( 1283, Format 88 x 144 mm)