Unternehmen

Bank Austria-Mutter UniCredit lüftet Blut- und Tränen-Plan

Die Bank lässt sich offensichtlich noch einen Verhandlungsspielraum für die Abgeltung der künftigen Pensionsleistungen aus dem ASVG offen.
© APA/HERBERT NEUBAUER

Nun werden bereits bis zu 14.000 Jobkürzungen kolportiert und ein Kostenabbau von 1,2 Mrd. Euro.

Wien, Mailand – Nicht nur Italien fiebert der Bekanntgabe des neuen Sparpakets der Bank Austria-Mutter UniCredit entgegen. Auch in Österreich ist von einem Schicksalstag die Rede: Für die Bank Austria, größte Bank im Land, läuft es wohl darauf hinaus, dass die Osteuropazentrale aus Wien abgezogen wird. Weitere Redimensionierungen (Stichwort: Privatkundensparte Österreich) stehen im Raum.

Die morgen, Mittwoch, anstehenden Quartalszahlen des UniCredit-Konzerns und seiner wichtigsten Töchter werden vom erwarteten „Update“ des Mehrjahresplans bis 2018 in den Schatten gestellt.

Der neue Geschäftsplan könnte nach Angaben der italienischen Tageszeitung Il Messaggero sogar 14.000 Jobkürzungen vorsehen. Bisher war noch von maximal 12.000 Stellen die Rede.

„Die Börse rechnet mit einem Blut- und Tränen-Plan bei UniCredit“, kommentierte die Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera am Dienstag. UniCredit-Chef Federico Ghizzoni will angeblich die Kosten bis 2018 um 1,2 Mrd. Euro reduzieren und allein in Italien 500 Filialen streichen. 7.000 Jobs sollen in Italien wegfallen, was nach bisherigen Informationen allerdings mit Frühpensionierungen, Einstellungsstopps und Nichtnachbesetzungen vonstatten gehen soll.

Ghizzoni will eine ganze Reihe von Kompetenzen zentralisieren. Die Steuerung der Osteuropasparte künftig von Mailand aus soll dem Vernehmen nach nur einer von mehreren Zentralisierungsschritten sein.

Der schmerzhafte Rationalisierungsplan soll jedoch auch positive Aspekte beinhalten, wie wachstumsfördernde Maßnahmen, berichten Insider. Nicht umsonst sollen die im bisherigen Entwicklungsplan enthaltenen Investitionen in Höhe von 4,5 Mrd. Euro bis 2018 bestätigt werden.

Synergien und Sparpotenzial sieht UniCredit auch im Assetmanagement, hier geht es um die Fondstochter Pioneer, die mit Santander Asset Management zusammengehen soll.

Noch unklar ist, von welchen Assets sich UniCredit trennen will. Nach einem Bericht der britischen Tageszeitung Financial Times will sich Ghizzoni von der Tochterbank Fineco und von dem polnischen Geldhaus Pekao verabschieden.

Die italienischen Bankengewerkschaften gehen wegen den Jobkürzungen bei UniCredit auf die Barrikaden. Im italienischen Bankensystem sei demnächst die Streichung von insgesamt 30.000 Jobs vorgesehen. Die zusätzlichen Jobkürzungen bei UniCredit seien unerträglich, sagte der Gewerkschaftsverband FABI.

In Österreich stehen viele Bank-Austria-Jobs im Feuer. In Wien ist für den 24. November eine Betriebsversammlung geplant, die sich kritisch mit den Sparplänen auseinandersetzen wird.

In Wien geht seit Wochen das Gerücht, dass die Privatkundensparte der Bank Austria verkauft werden könnte. Interesse an dem Geschäft mit rund 1,6 Millionen Kunden (Private und kleine Gewerbetreibende) wird der BAWAG nachgesagt. Auf Eigentümerebene sollen schon länger Gespräche laufen. Aufsicht und Wettbewerbshüter sollen aber ernste Bedenken hegen. In jedem Fall blühen der Privatkundensparte aber Einschnitte. Zumal das klassische Retailgeschäft nichts verdient.

120 der rund 190 Milliarden Bilanzvolumen entfallen bei der Bank Austria auf das Österreich-Geschäft. Ein Viertel davon wird der Privatkundensparte zugerechnet. (APA)

Verwandte Themen