Flüchtlinge - WHO: Keine anderen Gesundheitsprobleme als üblich

Wien (APA) - Immer wieder gelangen in die Öffentlichkeit Meldungen von Gesundheitsrisiken „durch“ Flüchtlinge. Laut der Weltgesundheitsorgan...

Wien (APA) - Immer wieder gelangen in die Öffentlichkeit Meldungen von Gesundheitsrisiken „durch“ Flüchtlinge. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es eher umgekehrt: Flüchtlinge sind als die Ärmsten der Armen einfach mehr durch Krankheiten gefährdet. Ein Wiener Insektenexperte verwies am Dienstag auch auf ein erhöhtes Risiko dieser Menschen durch per Stechmücken übertragene Krankheiten.

„Die Gesundheitsprobleme von Flüchtlingen und Migranten sind ähnlich jenen im Rest der Bevölkerung, bei manchen Subgruppen kommen aber Krankheiten häufiger vor. Die häufigsten Gesundheitsprobleme bei gerade angekommenen Migranten sind zufällig zugezogene Verletzungen, Unterkühlung, Verbrennungen, Herz-Kreislauf-Komplikationen, Schwangerschaft und mit Entbindung verbundene Probleme, Diabetes und Bluthochdruck“, hat die WHO vor kurzem zu der Problematik festgestellt.

Migrantinnen und weibliche Flüchtlinge sind bezüglich Verletzungen und Gesundheitsproblemen speziell durch Schwangerschaften, Mutterschaft bzw. durch mit dem Sexualleben in Verbindung stehende Probleme und Gewalt gefährdet. Psychosoziale Probleme, eine höhere Mortalität bei den Babys von Migranten, Ernährungsmängel, Alkohol-Abusus und Drogen machen auch empfänglicher für nicht übertragbare Erkrankungen.

Die WHO empfiehlt keine obligatorischen Untersuchungen, sie spricht sich aber vehement für das Anbieten von medizinischer Versorgung und Hilfe aus. Es gebe keinen Beweis für den Nutzen und eine Kosteneffektivität von obligatorischen Screeningtests. Dadurch würde eher noch zusätzlich für Beunruhigung und Angst bei den Betroffenen gesorgt.

Auf einen ganz spezifischen Aspekt wies am Dienstag der Wiener Ökologe und Stechmückenexperte Bernhard Seidel hin: „Die Weltgesundheitsorganisation stellt klar fest, dass es entgegen der weitverbreiteten Auffassung keinen systematischen Zusammenhang zwischen Migration und der Einschleppung von Infektionskrankheiten gibt. Die Art und Weise, wie dieser Flüchtlingsstrom entlang der sogenannten Balkanroute lief und läuft, also auch noch über die ungarischen Grenzräume, gefährdet die Menschen ungemein, weil sie großteils ungeschützt tagein tagaus unterwegs sind und auch im Freien nächtigen.“

Da seien sie nämlich durch verschiedene per Stechmücken übertragene Krankheiten besonders gefährdet: zum Beispiel durch das West-Nil-Virus oder das Chikungunya-Virus. Diese Infektionen werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen, aber ein ungeschütztes Leben im Zuge der Flucht erhöhe einfach das Risiko.