Akustisches Monitoring: Joanneum Research „hört“ Graffiti-Sprayer

Graz (APA) - Ob Hausfassaden, Verkehrstafeln, Garageneinfahrten oder Schienenfahrzeuge: Die von Sprayern dort hinterlassenen Graffiti verurs...

Graz (APA) - Ob Hausfassaden, Verkehrstafeln, Garageneinfahrten oder Schienenfahrzeuge: Die von Sprayern dort hinterlassenen Graffiti verursachen erheblichen Sachschaden. Um die unerwünschten Farbschmierereien zu verhindern, hat eine Forschergruppe am Grazer Joanneum Research ein neues Monitoringsystem entwickelt: Es löst beim Klacken der Spraydose Alarm aus, teilte die Forschungsgesellschaft am Dienstag mit.

Die unerwünschten Spray-Kunstwerke entstehen meistens in der Nacht. Eine Überwachung der gefährdeten Objekte mit Kameras kann bei Dunkelheit, Nebel oder an unübersichtlichen Plätzen nicht viel ausrichten, bzw. ist sehr aufwendig. Digital-Experten am Joanneum Research haben eine akustisches Detektionssystem entwickelt: Es beruht auf Sensoren, die typische Graffiti-Applikationsgeräusche detektieren. „Unser System erkennt das Klacken der Mischkugel in der Spraydose“, sagte Franz Graf von der Forschungsgruppe „Intelligente Akustische Lösungen“ auf Anfrage der APA. Möglich wird das durch eine am Joanneum Research entwickelte Analyse-Software und entsprechend sensible Sensoren.

In der Praxis werden zur Schadensbekämpfung hauptsächlich graffitiabweisende Beschichtungen - beispielsweise bei Schienenfahrzeugen - verwendet. „Die Entfernung ist jedoch trotzdem mit Aufwand verbunden. Hinzu kommt, dass im Falle von Schienenfahrzeugen die Gewährleistung der Hersteller verloren geht, wenn die Waggons im Nachhinein beschichtet werden“, gab Graf zu bedenken. Sein Team fokussiert daher auf die möglichst schnelle Detektion der Spray-Aktion - noch bevor allzu großer Schaden angerichtet wurde. „Durch die rasche Alarmierung nach wenigen Sekunden des Sprühens wird der Schaden am Objekt minimiert“, erläuterte Graf. Die Gefahrenmeldung kann automatisch an die Polizei weitergeleitet werden, der Alarm kann aber auch mit einer automatischen Durchsage, oder einem Mechanismus, der alle Scheinwerfer am Gelände einschaltet, verbunden werden, so der Grazer Gruppenleiter.

Das akustische Überwachungssystem wurde im Labor getestet und soll spätestens im Frühjahr 2016 bei realen Tests zum Einsatz kommen. Entsprechende Gespräche würden sowohl mit Herstellern von Schienenfahrzeugen als auch von Schienenfahrzeug-Betreibern laufen. Die Grazer Experten haben bereits ein akustisches Überwachungssystem entwickelt, das die Sicherheit in österreichischen Tunnels erhöhen soll: Es erkennt Unfallgeräusche und löst Alarm aus. Dieses akustische Tunnelmonitoring (AKUT) soll laut Graf sukzessive bis 2022 österreichweit in rund 60 Tunnelanlagen eingebaut werden.