Mutmaßliche Neonazi-Terroristin Zschäpe im Fokus der Filmemacher

München (APA/dpa) - Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe will vor Gericht ihr Schweigen brechen - und könnte damit einige Filme...

München (APA/dpa) - Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe will vor Gericht ihr Schweigen brechen - und könnte damit einige Filmemacher unter Handlungszwang setzen. Als Überlebende der rechten Terrorgruppe NSU ist Zschäpe nicht nur die zentrale Figur im Münchner Prozess, sondern auch in mehreren Spielfilmen. Deren Macher müssen damit rechnen, dass die Aussagen für ihre Produktionen wichtig sein könnten.

Die ARD will allerdings an ihrem geplanten Spielfilm-Dreiteiler zum „Nationalsozialistischen Untergrund“ vorerst nichts ändern, wie eine Sprecherin am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die ersten beiden Filme seien schon abgedreht, die Trilogie soll im ersten Quartal 2016 ausgestrahlt werden. Im ersten Teil spielen die Hauptrollen Albert Schuch (Uwe Mundlos), Sebastian Urzendowsky (Uwe Böhnhardt) und Anna Maria Mühe (Beate Zschäpe).

Auch für das ZDF-Dokudrama über die aus Jena stammende Zschäpe mit dem Arbeitstitel „Letzte Ausfahrt Jena“ wurde im August die letzte Einstellung gedreht. „Auf aktuelle Entwicklungen werden wir angemessen eingehen“, sagte eine ZDF-Sprecherin. Neben Joachim Król als ermittelnder Kriminalhauptkommissar standen Axel Milberg in der Rolle des Richters Götzl, Christina Große als Kriminaloberkommissarin und Lisa Wagner als Beate Zschäpe vor der Kamera. Das Drehbuch stammt von Hannah und Raymond Ley. Grimme-Preisträger Ley führte auch Regie. Ein Sendetermin stand zunächst nicht fest.

Fürs Kino produziert die Geschichte der Terrorzelle NSU die Münchner Produktionsfirma Constantin Film, die auch schon den Film „Der Baader Meinhof Komplex“ über die Mordtaten der Roten Armee Fraktion (RAF) drehen ließ. Grundlage für den NSU-Film wird, wie schon für den RAF-Film, ein Buch von Stefan Aust sein, das er zusammen mit Dirk Laabs schrieb: „Heimatschutz - Der Staat und die Mordserie des NSU“.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hatte sich die Hauptangeklagte Zschäpe im NSU-Prozess nicht zu den Vorwürfen gegen sie geäußert. Die Ankündigung ihrer Aussage war eine spektakuläre Wende. Dem NSU werden unter anderem neun Morde an Migranten und die Ermordung einer Polizistin vorgeworfen. Zschäpe, die einzige Überlebende des Trios, steht seit Mai 2013 in München vor Gericht - zusammen mit vier Mitangeklagten. Die Anklage wirft Zschäpe Mittäterschaft an allen Taten des NSU vor.