Oberschenkelbrüche bei Kindern: Vater in Klagenfurt freigesprochen

Klagenfurt (APA) - Vom Vorwurf, zwei seiner Kinder schwer misshandelt zu haben, ist am Dienstag ein 30-Jähriger am Landesgericht Klagenfurt ...

Klagenfurt (APA) - Vom Vorwurf, zwei seiner Kinder schwer misshandelt zu haben, ist am Dienstag ein 30-Jähriger am Landesgericht Klagenfurt freigesprochen worden. Der Staatsanwalt hatte dem Ghanaer vorgeworfen, den Kindern je einen Oberschenkel gebrochen zu haben - für einen Schuldspruch gab es aber zu wenig Beweise. Der Mann wurde lediglich wegen einer anderen Körperverletzung zu 720 Euro Geldstrafe verurteilt.

„Dass es der Heilige Geist war, glauben wir nicht. Ein eindeutiges Beweisergebnis haben wir aber auch nicht“, fasste Richter Dietmar Wassertheurer, der dem Schöffensenat vorsaß, in der Urteilsbegründung zusammen. Die Brüche könnten nicht durch eine Eigenverletzung entstanden sein - der Angeklagte und auch seine Frau würden als Täter infrage kommen. „Objektive Beweise dafür, dass es der Angeklagte war, haben sich aber nicht ergeben. Entweder stellt sich die Gattin schützend vor den Angeklagten oder sie will nicht sagen, dass sie es selbst war.“ Es sei nicht vertretbar, einen Schuldspruch zu fällen. Staatsanwalt Marcus Pacher meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

Schon im Jahr 2011 war die damals fünf Monate alte Tochter des Angeklagten mit einem gebrochenen Oberschenkel ins Krankenhaus gebracht worden. Im Juni 2013 wurde bei dem damals acht Monate alten Sohn die gleiche Verletzung festgestellt. Er war von Geburt an beeinträchtigt, musste mit einer Magensonde ernährt werden und starb im Vorjahr an den Folgen seiner Behinderung. Ebenfalls 2013 hatte der Angeklagte dann einem weiteren, damals vierjährigen Sohn mit einer Haarschneidemaschine ohne Aufsatz die Haare geschnitten, wodurch dieser Schnittverletzungen am Kopf erlitten hat - für diese Tat fasste der 30-Jährige auch die Geldstrafe aus.

Die Ehefrau des Angeklagten war am Dienstag zum wiederholten Mal in den Zeugenstand gerufen worden. „Wie erklären Sie es sich, dass zwei Ihrer Kinder Brüche erlitten haben?“, fragte Richter Wassertheurer. „Die Kinder haben immer die Beine durch die Stäbe des Gitterbetts gesteckt“, antwortete die Mutter und vermutete, dass sie sich dabei verletzen hätten können. „Das kann nicht sein, ein Kind mit fünf Monaten bringt diese Kraft nicht auf“, widersprach ihr die medizinische Sachverständige Regina Gatternig. Und weiter: „Der Spiralbruch, den der Sohn gehabt hat, der kann einmal überhaupt nicht durch Gitterstäbe zustande kommen.“

Später, in ihrer Befragung, konkretisierte Gatternig diese Angaben: „Ein Spiralbruch entsteht dadurch, dass der Oberschenkel mit Gewalt verdreht wird.“ Somit sei ebenfalls auszuschließen, dass der Bruch durch am Gitterbett vorbeilaufende Kinder entstanden ist - auch beim Spielen könne so ein Bruch nicht zustande gekommen sein. Die fünf Monate alte Tochter könne sich ebenfalls nicht selbst verletzt haben: „Auch hier war eine Gewalteinwirkung notwendig.“ Möglich wäre bei dem Mädchen jedoch, dass die Verletzung durch einen Sturz vom Wickeltisch entgekommen sei.

Der Angeklagte hatte während des Prozesses jegliche Schuld bestritten: „Meine Frau und ich lieben unsere Kinder, wir würden nie etwas tun, was sie verletzen könnte. Ich kann mir nicht erklären, wie die Verletzungen zustande gekommen sind“, sagte er am Dienstag. „Dass sich beide Kinder die gleiche Verletzung von selbst zugezogen haben sollen, wäre ein bemerkenswerter Zufall - und an solche Zufälle glaube ich nicht“, sagte Staatsanwalt Pacher in seinem Plädoyer. Gewalt gegen Kinder müsse auf jeden Fall Einhalt geboten werden. Der Verteidiger des Angeklagten forderte einen Freispruch - zumindest was die Knochenbrüche der Kinder angeht. Man könne dem Angeklagten die Schuld nicht zweifelsfrei nachweisen.

Freigesprochen wurde der 30-Jährige auch vom Vorwurf der geschlechtlichen Nötigung. Eine 25-jährige Frau hatte Anzeige gegen den Mann erstattet, den sie in einem Lokal in Klagenfurt kennengelernt hatte. Der Angeklagte soll sie in einer Wohnung bedrängt und begrapscht haben - nur mit Mühe hätte sie sich losreißen und flüchten können. Laut dem Angeklagten hatte er ihr lediglich einen Freundschaftskuss gegeben.