Steve Jobs

Der böse Mann von Cupertino

Steve Jobs und zweimal Lisa: Michael Fassbender als Apple-Chef mit Tochter Lisa und dem nach ihr benannten ersten Macintosh-Rechner.
© UPI

In Danny Boyles Filmbiografie „Steve Jobs“ spielt Michael Fassbender den Apple-Mitbegründer und Erfinder des emotionalen Industriedesigns als Egomanen, der von seinen Dämonen gejagt wird.

Von Peter Angerer

Innsbruck –Der Witz stammt – wie so viele – von Woody Allen. In „Manhattan“ wird der von ihm gespielte Komiker Isaac Davis mit dem Vorwurf konfrontiert, sich für Gott zu halten. Für einen Entertainer kann es dazu nur eine Antwort geben: „Ich muss ja schließlich ein Vorbild haben!“

1984 hieß der bestbezahlte US-Entertainer aber Steve Jobs, den nur die Tatsache verblüffte, „dass Gott, der seinen Sohn in eine Selbstmordmission geschickt hatte, noch immer geliebt wird“, während ihm mit Hass begegnet wird. Willkommen in Cupertino, in der Zentrale des Computerkonzerns Apple, wo die Welt mit futuristischen Träumen und Visionen neu erfunden, das Zusammenleben der Menschen neu gedacht wurde und alles möglich erschien, aber auch die Hybris auf eine banale Ebene heruntergebrochen wurde. Aber das ist schon wieder die Geschichte der Kinobiografie „Steve Jobs“, die der Autor Aaron Sorkin auf dem weiten Weg zur Katharsis dramaturgisch als Dreiakter erzählt.

Drei exemplarische und ebenso legendäre Produktvorstellungen verwandelt Sorkin in Gerichtstage, an denen über den Apple-Konzern und das Privatleben des Konzerngründers verhandelt wird.

1984 möchte sich Steve Jobs (Michael Fassbender) mit dem ersten Macintosh von dem durch seinen Garagenkumpel Steve Wozniak (Seth Rogen) programmierten AppleII ohne ein Wort der Anerkennung verabschieden, obwohl dieser Maschinenbüffel dem Unternehmen noch immer 70Prozent des Umsatzes liefert. Jobs beherrscht weder die binäre Sprache noch das Design, dennoch will er als Genie gelten. Aber auch ein Jobs kommt nicht ohne Vorbilder aus. Da ist einmal Julius Cäsar; Leonardo da Vinci lässt er auch gelten. Jobs beherrscht kein Instrument, denn „ich spiele das Orchester“. Das ist ein Konflikt auf hohem Niveau, der Dialog verschweigt an dieser Stelle, dass sich Milliardäre streiten. Genaue Zahlen gibt es dafür im Konflikt mit Chrisann Brennan (Katherine Waterston), die mit ihrer Tochter Lisa in der Garderobe wartet. Trotz eines eindeutigen Vaterschaftstests hat Jobs einen Algorithmus veröffentlicht, nach dem 22Prozent der amerikanischen Männer als Lisas Vater in Frage kommen. Einem Gerichtsurteil folgend überweist er 375 Dollar an Alimenten der von Sozialhilfe lebenden Mutter. Dieser erste Gerichtstag endet dennoch ohne Urteil, Joanna Hoffman (Kate Winslet), Apple-Marketing-Managerin und an allen Gerichtstagen Anklägerin und Verteidigerin, kennt die narzisstischen Verstümmelungen des Egomanen. Sie folgt ihm nach der Vertreibung aus dem Apple-Paradies in das Computer-Abenteuer „NeXT“, das Jobs 1988 am zweiten Gerichtstag in San Francisco präsentiert. In der Garderobe warten wieder Wozniak und Lisa, die inzwischen mit schüchterner Zuneigung, aber nicht mit Zuwendungen von Jobs rechnen kann. Erst 1998, nach der Rückkehr zu Apple und bei der Präsentation des ersten iMac, darf Jobs, aufgerüttelt von Wozniaks Frage, ob nicht Anständigkeit eine Begleiterin von Begabung sein könne, seine Menschlichkeit beweisen, für die er „nicht programmiert war“.

Danny Boyle („Slumdog Millionär“) macht aus Steve Jobs etwas dreist einen geplagten Ijob (Hiob), der zwischen Gott und den Verführungen des Teufels pendeln muss. Seine die Welt verändernden Leistungen werden nicht einmal erwähnt. Kein Wort von seiner Animationsfirma Pixar. Und kein Wort vom WorldWideWeb, das auf seiner „NeXT“-Workstation entwickelt wurde. Weil ihn der Kassettenrekorder Lisas nervt, kommt ihm die Idee für ein „Ding mit 1000 Songs“. Was kann das wohl sein? Für die Auslassungen bei Personen und Ideen dürften rechtliche Gründe verantwortlich sein, 2011 erlag Steve Jobs, Jahrgang 1955, der das phänomenalste Industrieorchester entworfen hatte, seiner Krebserkrankung.

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