Kunst

Schaufenster in die Gegenwartskunst

Spielarten des Porträts von Daryoush Asgar, Bernard Ammerer, Bernhard Buhmann, Bertram Hasenauer (im Uhrzeigersinn).
© RLB

Immer wieder gibt die RLB Kunstbrücke Einblick in museale, private oder unternehmerische Kunstsammlungen. Diesmal in jene der Strabag.

Von Ivona Jelcic

Innsbruck –Auch das Erler Festspielhaus ließ Hans Peter Haselsteiner mit einigen Werken aus der Strabag Artcol­lection bestücken, Aufschluss über deren Profil kann das freilich nicht geben – auf der RLB Kunstbrücke erfährt man diesbezüglich schon einiges mehr: Sie zeigt unter dem Titel „Figur / Struktur“ derzeit das „junge“ Gesicht der im Laufe von rund dreißig Jahren zu beträchtlicher Größe angewachsenen Sammlung, die heute mehr als 2500 Werke umfasst.

Als Haselsteiner Anfang der 1980er-Jahre den Grundstein für die unternehmenseigene Sammlung legte, lag der Fokus zunächst auf Kärntner, schließlich auf österreichischer Gegenwartskunst. Mit dem 1994 ins Leben gerufenen Strabag Artaward begann sich das Spektrum auf eine jüngere Künstlergeneration aus den Kerngeschäftsländern der Strabag – neben Österreich zunächst etwa Ungarn, die Slowakei und Tschechien und zuletzt u.a. auch die Benelux-Staaten – zu erweitern. Die jährlich vergebenen Preise sind mit insgesamt 35.000 Euro dotiert und mit Ankäufen und Ausstellungen im Strabag Kunstforum verbunden, die Sammlung hat sich so zu einer der größten für zeitgenössische Malerei und Grafik in Österreich entwickelt. Und nicht zuletzt mit den Preisvergaben auch dem Medium Zeichnung zu stärkerer Präsenz verholfen. Das zeigt sich auch auf der Kunstbrücke, für die Kuratorin Silvia Höller einen Querschnitt aus Preisträgern der letzten zwanzig Jahre zusammengestellt hat. Man begegnet unter den insgesamt 27 Positionen etwa den fabulösen Buntstiftbild-Universen von Micha Payer und Martin Gabriel, einem bezaubernd surrealen Lehrstück in Sachen Tierdressur von Moussa Kone oder einer Arbeit der Bulgarin Sevda Chkoutova, deren Auseinandersetzung mit der nur vermeintlich heilen Kinderwelt wie eine verwaschene Erinnerung daherkommt, während Bernard Ammerers Landschaftsdarstellung sich als ein aus den Worten „Thank you nature / Fuck you nature“ gezeichnetes Paradox entpuppt.

Neben der groben Einteilung in figürliche Darstellung und Abstraktion, wie sie der Ausstellungstitel bezeichnet, gibt es vereinzelt auch Blicke auf den unterschiedlichen Umgang einer jüngeren Künstlergeneration mit bestimmten Genres wie etwa dem Porträt, das im Kunstbrücke-Foyer in fünf Spielarten gezeigt wird. Die Strabag-Preisträgerin von 2014, Anna Khodorkovskaya, haucht wiederum dem Spiel mit Strukturen auch einen erzählerischen Aspekt ein, wenn sie zu Fetzen zerrissene Werbeprospekte zum Ausgangspunkt ihrer abstrakten Malerei macht.

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