Papst plädiert in Florenz für menschennahe Kirche

Florenz (APA) - Mit Enthusiasmus haben Zehntausende Gläubige am Dienstag den Papst bei seinem eintägigen Besuch in der Toskana begrüßt. Der ...

Florenz (APA) - Mit Enthusiasmus haben Zehntausende Gläubige am Dienstag den Papst bei seinem eintägigen Besuch in der Toskana begrüßt. Der Heilige Vater besuchte die wegen ihrer hohen Anzahl an chinesischen Migranten bekannte Stadt Prato und die toskanische Hauptstadt Florenz. Höhepunkt des Besuchs war eine Messe vor 50.000 Menschen im Stadion der Stadt.

Tausende Menschen warteten stundenlang in Florenz auf den Papst. „Franziskus, Franziskus“, skandierten die Pilger im Stadion der Stadt und schwenkten dabei Fahnen mit den weißgelben Farben des Vatikans. Der argentinische Pontifex drehte an Bord seines Papamobils eine Runde im Stadion und segnete dabei die Menschenmenge. Danach zelebrierte er die Messe.

Zuvor hatte der Papst in einer Ansprache in der Kathedrale „Santa Maria del Fiore“ anlässlich des fünften nationalen Kirchentreffens vor Machtstreben in der Kirche gewarnt. „Gott schütze die italienische Kirche vor jedem Streben nach Macht, Ansehen und Geld. Die evangelische Armut ist kreativ, nimmt auf, unterstützt und ist hoffnungsreich“, erklärte Franziskus. Er drängte die Kirche, „Demut, Desinteresse und Seligkeit“ wiederzufinden. Franziskus erinnerte dabei an zwei Figuren der italienischen Literatur, nämlich Don Camillo und Peppone des Autors Giovannino Guareschi. „Sie waren so verschieden, aber beide sehr nahe an den Menschen. Nähe und Gebet, das sind die Schlüssel, um das christliche Volk zu fördern, ein Volk, das bescheiden, großzügig und zufrieden ist“

Der mit einer tief greifenden Reform der Kurie beschäftigte Papst warnte vor „Konservativismus und Fundamentalismus“ in der Kirche. „Angesichts des Übels und der Probleme der Kirche ist es sinnlos, Lösungen im Konservativismus und im Fundamentalismus sowie in der Restauration von Verhalten und überholten Formen zu suchen, die auch vom kulturellen Standpunkt nicht mehr bedeutend sind“, sagte der Papst. Die Reform der Kirche sei nicht nur ein Plan zur Strukturänderung. Reform der Kirche bedeute, sich in Christus zu verankern und sich vom Heiligen Geist führen zu lassen. Die Bischöfe rief der Papst auf, „keine Mauern und Grenzen, sondern Plätze und Feldkrankenhäuser“ zu errichten. Die Bischöfe sollten auf die Straße gehen, um die Gläubigen zu treffen. Wichtig sei dabei Dialogfähigkeit zu entwickeln. „Dialog bedeutet nicht zu verhandeln, sondern das gemeinsame Wohl zu suchen“, betonte der Pontifex.

Am Vormittag hatte der Papst Prato besucht, in dem tausende chinesische Familien zum Teil illegal in der Textilindustrie arbeiten, und einen eindringlichen Appell gegen Schwarzarbeit und Illegalität gerichtet. Er plädierte dabei ausdrücklich für die Integration der Migranten.“Das Leben jeder Gemeinschaft verlangt, dass das Krebsgeschwür der Korruption und das Gift der Illegalität bekämpft werden. In uns und mit den anderen müssen wir immer für die Wahrheit kämpfen“, drängte der Heilige Vater. Er plädierte für unermüdliches Engagement für eine „gerechtere und ehrlichere Gesellschaft“. Der Papst rief die Bewohner Pratos auf, sich für die Integration der chinesischen Familien einzusetzen. Man dürfe vor Situationen nicht resignieren, in denen das Zusammenleben schwierig sei.

Der Papst gedachte auch der sieben chinesischen Migranten, die im Dezember 2013 in einer Textilfabrik in Prato bei einem Brand ums Leben gekommen waren. Dafür waren im vergangenen Jänner drei Chinesen zu Strafen von bis zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Der Papst nannte den Tod der sieben Migranten eine „Tragödie der Ausnutzung und der unmenschlichen Lebensbedingungen“.

Sein Mittagessen nahm der Papst in Florenz in einer Armenküche der Caritas ein. Mit 60 Bedürftigen, darunter 30 Flüchtlingen, speiste der Papst in der toskanischen Hauptstadt. Wie alle anderen Caritas-Gäste erhielt der Papst eine Karte, um in der Armenküche speisen zu können. „Der Papst hat sich wie alle anderen Armen registrieren lassen, um sich wie sie zu fühlen“, betonte der stellvertretende Direktor des vatikanischen Pressesaals, Pater Ciro Benedettini. Eine toskanische Bohnensuppe, Kartoffelpüree, Salat, Käse und Obstsalat wurden dem Papst serviert. Einige Häftlinge ließen ihm zwei Flaschen Wein zukommen, während eine ehrenamtliche Caritas-Helferin ihm einen weißen Schal mit seinem gestickten Namen übergab.