Justiz und Kriminalität

Festnahme nach „Bloody Sunday“ in Nordirland vor über 40 Jahren

Angehörige zeigen Bilder der "Bloody Sunday"-Opfer bei einer Demo.
© APA/EPA/STR

Bei dem Mordfall geht es um die Erschießung von Demonstranten 1972 in Nordirland. Fallschirmjäger sollen gezielt in die Menge geschossen haben.

London/Belfast – Mehr als 40 Jahre nach dem „Bloody Sunday“ in Nordirland hat es erstmals seit Eröffnung einer Mordermittlung im Jahr 2012 eine Festnahme gegeben. Bei dem Verdächtigen handle es sich um einen 66 Jahre alten britischen Ex-Soldaten, teilte die Polizei in Nordirland am Dienstag mit. Der Mann werde in Belfast verhört. Die Festnahme stelle eine „neue Phase in den Ermittlungen“ dar.

Das britische Verteidigungsministerium teilte lediglich mit, über die „Festnahme eines Ex-Soldaten“ informiert zu sein. Es „wäre unangemessen, sich zu diesem Zeitpunkt weiter zu einer laufenden Ermittlung zu äußern.“

Die Festnahme vom Dienstag ist die erste seit Eröffnung einer Mordermittlung im Jahr 2012 zur Tötung von 13 Teilnehmern einer nicht genehmigten katholischen Demonstration im nordirischen Londonderry am 30. Jänner 1972 durch britische Fallschirmjäger. Ein weiterer Demonstrant erlag Monate später seinen Verletzungen. Die Demonstration hatte sich gegen die Internierungspolitik der britischen Regierung gerichtet.

Ein 2010 veröffentlichter Untersuchungsbericht kam nach zwölf Jahren Ermittlungen zu dem Ergebnis, dass die Soldaten das Feuer auf die Menge eröffnet und nicht, wie ursprünglich behauptet, erwidert hatten. Demnach waren die getöteten und verletzten Demonstranten nicht bewaffnet gewesen. Premierminister David Cameron hatte sich bei der Vorstellung des Berichts für den Vorfall entschuldigt.

Der so genannte Blutsonntag gilt als eines der schlimmsten Kapitel des Nordirland-Konflikts. Der Bürgerkrieg zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland wurde 1998 mit einem Friedensabkommen größtenteils beendet. 3500 Menschen wurden während des Konflikts getötet. (APA/AFP)

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