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Neue Grunderwerbsteuer führt zu Ansturm bei Anwälten und Notaren

© Andreas Rottensteiner / TT

Immobilien werden in Tirol derzeit reihenweise übergeben, denn ab 1. Jänner ist die fällige Steuer in vielen Fällen höher. Experte Franz Plank stand den TT-Lesern Rede und Antwort.

Von Markus Schramek

Innsbruck — „Eine Million Euro in bar kann ich steuerfrei verschenken. Will ich aber ein Grundstück mit Haus im Wert von einer Million verschenken, so sind dafür ab 1. Jänner rund 25.000 Euro Grunderwerbsteuer zu bezahlen.“ Notar Franz Plank aus Hall fasst damit in Worte, was Tausende Tiroler derzeit in Wallung versetzt. Denn mit 1. Jänner 2016 ändert sich in Österreich die Grunderwerbsteuer.

Das Gesetz für die Übergabe von Grundstücken unter Familienmitgliedern wird neu geregelt. Plank stand den Leserinnen und Lesern der TT dazu telefonisch für Auskünfte zur Verfügung. Die Hotline glühte. Hier eine Auswahl der Fragen an den Experten.

1. Wie wird die Steuer derzeit berechnet? Wird eine Immobilie von einem Familienmitglied an ein anderes übergeben, gilt für die Grunderwerbsteuer noch bis Jahresende folgende Formel: Einheitswert mal drei und davon zwei Prozent. Der Einheitswert wird von der Finanz festgelegt und liegt weit unter dem tatsächlichen Wert einer Liegenschaft. „Informationen über den Einheitswert, an dem sich noch bis 31.12. die Grunderwerbsteuer bemisst, erhält man beim Finanz- oder Gemeindeamt“, so Plank.

2. Was ändert sich? Ab 1. Jänner 2016 gilt für die Bemessung der Steuer nicht mehr der Einheits-, sondern der Verkehrswert: jener Wert, den ein Haus oder Grundstück beim Verkauf tatsächlich erzielen würde. Für die ersten 250.000 Euro Verkehrswert beträgt die Steuer dann 0,5 Prozent, für die nächsten 150.000 Euro zwei Prozent und darüber hinaus 3,5 Prozent. Plank glaubt, dass die Steuer schon ab einem Verkehrswert von 400.000 Euro spürbar höher ausfallen wird als jetzt.

3. Wie wird der Verkehrswert ermittelt? Eine komplizierte Angelegenheit. Basis sollen der dreifache Bodenwert und der Gebäudewert sein; eine eigene Verordnung mit Details dazu kommt vom Finanzministerium. Alternativ kann man den Wert seiner Liegenschaft aber auch über den Immobilienpreisspiegel der Wirtschaftskammer ermitteln oder ein eigenes Gutachten in Auftrag geben. Plank: „Ein Gutachten ist aber natürlich wieder mit zusätzlichen Kosten verbunden.“

4. Immobilien noch heuer übergeben? Je höher der Verkehrswert einer Immobilie ist, desto sinnvoller ist die Übergabe noch heuer. Dies will aber gut überlegt sein. „Ist das Haus einmal übergeben, kann das nicht mehr geändert werden“, warnt Plank. „Übergeben, nimmer leben“, zitierte eine Anruferin ein geflügeltes Wort zur vorzeitigen Übergabe. Plank kennt solche Vorbehalte aus der Praxis. Doch er weiß, wie man Streit im Gefolge von Übergaben vermeiden kann: „Die Wohn- und Nutzungsrechte müssen zwischen den Familienmitgliedern genau geregelt werden.“ Die Zeit wird allerdings schon knapp. Viele Notare und Anwälte sind mit Übergaben eingedeckt. Da ist es manchmal schwierig, einen Termin zu bekommen.

5. Immobilien schenken oder vererben? „Bei der Berechnung der Grunderwerbsteuer macht das im Familienverband keinen Unterschied“, erklärt Plank. In beiden Fällen ist die Grunderwerbsteuer zu entrichten: beim Schenken zu Lebzeiten des Schenkenden anlässlich der Übergabe, beim Vererben erst nach dem Ableben des Familienangehörigen.

6. Steigt niemand besser aus? Plank erwartet, dass die Grunderwerbsteuer für Liegenschaften bis 250.000 Euro Verkehrswert in etwa gleich bleibt. Besser ist die neue Regelung für Geschwister bzw. Nichten und Neffen, denen Eigentum geschenkt wird. Diese galten bisher nicht als Familienmitglieder und mussten bei Übergaben 3,5 Prozent vom Verkehrswert an Grunderwerbsteuer bezahlen. Künftig gilt für die Genannten dieselbe abgestufte Steuerregelung (siehe Punkt 2) wie für Ehegatten, Lebensgefährten, (Stief-)Kinder oder Enkel.

Kein Aufschub mehr

Angesichts der bevorstehenden Erhöhung der Grunderwerbsteuer glühen die Drähte. Was jahre­lang aufgeschoben oder verdrängt wurde, ist damit brandaktuell geworden: die Regelung des eigenen Nachlasses. Wer in der glücklichen Lage ist, seinen Nachkommen etwas hinterlassen zu können, der muss seine Verantwortung wahrnehmen. Aus steuerlichen Gründen vielleicht schon heute in Form einer Schenkung, für die Zukunft aber auf jeden Fall durch Erstellung eines Testaments. Auch wenn die Beschäftigung mit dem Ende seines Daseins nicht angenehm sein mag, es ist unerlässlich, die entsprechenden Verfügungen zu treffen, solange man noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist. Der Rat eines Anwalts oder Notars ist nicht teuer und beugt späteren Überraschungen vor.

Niemand will, dass sein Andenken durch Zank und Hader getrübt wird. Diese entstehen aber unweigerlich, wenn Unklarheit über die Verteilung der Hinterlassenschaft besteht. Jahrelange Familienstreitigkeiten drohen dann mit Kosten, die das Erbe aufzehren könnten.

Jedes Testament kann später abgeändert werden, sollten es geänderte Umstände erfordern, eine Schenkung ist hingegen unumstößlich. (Von Hansjörg Jäger)

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