Fußball: Nach Schweizer Vorbild - Schwegler: ÖFB „hat nachgezogen“

Salzburg (APA) - Österreich und die Schweiz - zwei vergleichsweise kleine Länder spielen im internationalen Fußball wieder eine große Rolle....

Salzburg (APA) - Österreich und die Schweiz - zwei vergleichsweise kleine Länder spielen im internationalen Fußball wieder eine große Rolle. Christian Schwegler kennt die beiden Systeme, die den jüngsten Erfolgen zugrunde liegen. Der Schweizer Routinier im Dress von Meister Red Bull Salzburg hält sie für durchaus vergleichbar, wenngleich seine Landsleute schon länger ein konkurrenzfähiges Nationalteam stellen.

„Beide haben erkannt, dass es bei der Jugendarbeit anfängt, die Schweiz vielleicht noch ein bisschen früher“, meinte Schwegler im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. „Österreich hat jetzt nachgezogen.“

Die Eidgenossen haben sich seit 2004 mit Ausnahme der EM 2012 für jedes Großereignis qualifiziert. Eine ähnliche Konstanz traut der 31-Jährige auch dem ÖFB-Team zu. Schwegler: „Österreich hat ein bisschen eine ‚Goldene Generation‘ entwickelt. Die Spieler sind reif, aber alle noch nicht über den Zenit. Die können alle noch vier, sechs oder acht Jahre spielen.“

Dazu kommt, dass aus dem funktionierenden Nachwuchssystem laufend Kicker nachdrängen. „Man hat in der Schweiz gesehen, dass es immer leichter ist, einzelne Spieler zu integrieren, wenn es keinen kompletten Umbruch gibt“, sagte Schwegler. „Die Struktur des Teams bleibt und man muss nicht bei Null anfangen. Auch in Österreich werden immer wieder Spieler nachrücken. Wenn das so weitergeführt wird, kann man lange erfolgreich sein.“

Bei der EM in Frankreich warnte der Rechtsverteidiger beide Teams allerdings vor überzogenen Erwartungen. Das Halbfinale als Ziel auszugeben, wäre weit hergeholt. „Es gibt sicher drei, vier Mannschaften, gegen die alles passen muss, damit du sie schlagen kannst“, meinte Schwegler. „Mit dem Modus ist es zwar fast eine Pflichtaufgabe, die Vorrunde zu überstehen. Danach brauchst du aber auch Losglück.“

Mittlerweile sind die beiden Alpenländer die Nummern 10 (Österreich) und 11 (Schweiz) der FIFA-Weltrangliste. Für das Testspiel nächsten Dienstag (20.45 Uhr/live ORF eins) in Wien sieht Schwegler keinen Favoriten. „Es ist wirklich auf Augenhöhe. Es wird ein interessantes Spiel. Beide spielen einen ansehnlichen, erfolgreichen Fußball.“

Für den Schweizer Schlüsselspieler hält der Salzburg-Legionär einen Clubkollegen von Marko Arnautovic bei Stoke City. „In den vergangenen Spielen war schon immer Xherdan Shaqiri entscheidend. Wenn er gut in Form war, hat die Schweiz gut gespielt“, sagte Schwegler über den Mittelfeldstar. „Sie waren schon ein bisschen abhängig von ihm. Er ist ein Einzelspieler, der auch mal ein Spiel im Alleingang entscheiden kann.“

Schwegler selbst hat zwar alle Nachwuchsauswahlen durchlaufen, zu einer A-Team-Berufung hat es aber nicht gereicht. „Ich hätte mir schon einmal eine Chance gewünscht. Jetzt bin ich aber in einem Alter, in dem klar ist, dass Junge bevorzugt werden.“ Zudem verfüge die Schweiz mit dem von einer Herz-OP genesenen Juventus-Star Stephan Lichtsteiner auf seiner Position über „einen Weltklassespieler, der seit Jahren absolut hervorragende Leistungen bringt“.

Das Verhältnis zum Schweizerischen Verband (SFV) sei deswegen aber nicht getrübt. „Ich habe dort immer gute Trainer erlebt“, betonte Schwegler. „In der Schweiz wird viel auf Taktik Wert gelegt, auf persönliche Spielerausbildung und auf eine funktionierende Mannschaft. Es gibt eine einheitliche Marschrichtung im Verband. Das wird auch an die Vereine weitergegeben und geht bis hin zur Trainerausbildung.“

Österreich habe sich mittlerweile ebenfalls in diese Richtung entwickelt. „Man sieht, dass nicht nur ein Baustein notwendig ist, sondern ein großes Konzept“, meinte Schwegler. Ein besonders wichtiger Baustein war mit Teamchef Marcel Koller ein Landsmann. „Sein Erfolg mit Österreich wird in der Schweiz schon extrem wahrgenommen.“

Schwegler spielt seit 2009 für Salzburg, den Fußball in seiner Heimat verfolgt er aber immer noch regelmäßig im TV. Die Ligaqualität sei ähnlich. „Beide haben drei bis vier Teams, die vorne sind, mit einem klaren Titelanwärter. Die Dichte ist in der Schweiz aber noch ein bisschen besser.“ Auch gegen Serienmeister FC Basel würde sich kein Team hinten einigeln. „Es wird ein bisschen mehr Wert auf schönen Fußball gelegt. Und auch die Infrastruktur mit den Stadien ist in der Schweiz ein bisschen besser.“