Ischgl

Hoteliers subventionieren Sommer mit Winter-Ertrag

© TVB Paznaun-Ischgl

In Ischgl haben nur 20 Prozent aller Betriebe im Sommer geöffnet, der Bezirkssprecher denkt über Konsequenzen nach.

Von Helmut Wenzel

Ischgl, Fiss –„Gerade der Sommertourismus im Bezirk hat noch viel Luft nach oben.“ Das hat LH Günther Platter wiederholt bei Landeck-Besuchen erklärt. Nur, die Touristiker sehen das inzwischen etwas anders.

Eine Gruppe von zwölf Hoteliers mit Familienbetrieben in Fiss etwa reagierte empört auf „neue Auflagen und Belastungen“ der Bundesregierung. „Wir haben viel in die Qualität unserer Betriebe investiert und sind überzeugte Touristiker“, heißt es in dem Schreiben an den Landeshauptmann und AK-Präsident Erwin Zangerl. „Doch im Sommer müssen wir mit den Betriebszeiten zurückfahren. Für die Vor- und Nachsaison wird künftig der Staat bzw. der Steuerzahler die Mitarbeiter finanziell übernehmen müssen.“ Man könne nur hoffen, dass die Politik positive Rahmenbedingungen setze, im Sinne der Mitarbeiter, für die Saisonverlängerung und für ganzjährigen Tourismus, plädiert die Gruppe.

Auch der Ischgler Hotelier Alexander von der Thannen, Tourismussprecher der Wirtschaftskammer, zeigt wenig Positives auf: „Mit dem Ertrag, den wir im Winter erwirtschaften, subventionieren wir die Sommersaison. Das betrifft keinesfalls nur unseren Betrieb. Ich habe mit vielen Kollegen geredet, die vor dem gleichen Dilemma stehen.“ Es sei nicht verwunderlich, dass nur noch 20 Prozent der Ischgler Betriebe im Sommer offen haben. Das Problem sei nicht unbedingt die Bettenauslastung, die bei 70 Prozent liege. „Das Problem sind die Preise“, unterstreicht der Unternehmer, „der Sommergast will volles Service. Doch wir müssen mindestens 50 Prozent günstiger sein als im Winter, damit überhaupt Gäste buchen.“

Selbst wenn er „nur“ kostendeckende Preise anbieten würde, blieben die Betten fast leer, so der Unternehmer. Die Gäste hätten die Einstellung, „Dienstleistung darf nichts kosten und der Kellner muss Deutsch reden“.

Weil weder die Leistungen im Hotel noch die Mitarbeiter um 50 Prozent reduziert werden könnten, blühe am Ende der Sommersaison ein kräftiges Minus in der Bilanz, zeigte Von der Thannen auf und zieht eine drastische Schlussfolgerung: „Gewinner sind alle Betriebe, die im Sommer nicht offen haben. Das heißt, auch wir müssten soziale Aspekte vergessen und künftig zusperren.“

Die Steuerreform (u. a. Erhöhung der Mehrwertsteuer bei Nächtigungen von derzeit 10 auf 13 Prozent) treffe den Tourismusbezirk Landeck enorm, hat auch Landecks Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Thomas Köhle festgestellt. Theoretisch müsste das Finanzamt den Sommerbetrieb verbieten, „weil weniger Jahresgewinn weniger Steuerleistungen bedeutet“. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen sei an die von der Politik empfohlene Saisonverlängerung nicht zu denken. Leidtragende wären zudem Tourismusmitarbeiter sowie zahlreiche Handels- und Gewerbebetriebe der Region – weil das Investitionsvolumen reduziert werde.

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