Wunderbar wandelbar: Siebenfache Claudia Kottal im Kosmos Theater

Wien (APA) - Naiv oder lasziv, vulgär oder prollig, schüchtern oder aggressiv - Claudia Kottal hat sie alle drauf. Doch ob blond, ob braun, ...

Wien (APA) - Naiv oder lasziv, vulgär oder prollig, schüchtern oder aggressiv - Claudia Kottal hat sie alle drauf. Doch ob blond, ob braun, sie spielt nicht nur alle Frauen. Auch ein kleiner Bub mit Sehnsucht nach seiner Mami und ein besoffener Macho mit reichlich obskurem Verständnis von der Ehe zählen zu dem Figurenrepertoire, das die Schauspielerin in einem furiosen Solo im Wiener Kosmos Theater zeigt.

„Die Blonde, die Brünette und die Rache der Rothaarigen“ heißt das 2004 uraufgeführte Stück des Australiers Robert Hewett, das gestern, Dienstag, unter der Regie von Christine Wipplinger und in Anwesenheit des Autors zur Deutschsprachigen Erstaufführung gebracht wurde. Es ist ein tadellos gebautes Well Made Play, ein schräges Eifersuchtsdrama, das durch einen simplen Trick einen speziellen Reiz erhält: Haupt- und Nebenfiguren der Dreiecksgeschichte erzählen wie im Verhör unabhängig voneinander ihre eigenen Versionen des Geschehens, doch alle Sieben werden von derselben Schauspielerin verkörpert.

Claudia Kottal, der ihre ebenso fulminante wie präpotente Laura Rudas-Figur in „Wir Staatskünstler“-Einspielungen zu größerer Bekanntheit verhalf und die als Bezirksinspektorin in „Cop Stories“ auch TV-Präsenz erlangte, macht - sanft unterstützt von Live-Musiker Imre Lichtenberger Bozoki und einer auch als Garderoberin tätigen Souffleuse - ihre Figurenparade nicht zum Kabarett-Nummernprogramm.

Eher verhalten entwickelt sie die titelgebenden Protagonistinnen wie die rothaarige Rhonda, die nach elfjähriger Ehe plötzlich von ihrem Mann Graham verlassen wird, weil der sich in eine blonde, aus Russland stammende Juwelierin (die gegen Ende des 80-minütigen Abends Kottals Glanznummer wird) vergafft hat. Doch leider entpuppt sich Rhondas beste Freundin, die brünette Nachbarin Lynette, als ziemliche Schlange. Nicht nur verwechselt sie die Nebenbuhlerin Rhondas auf der Straße, sodass diese eine völlig Fremde attackiert und infolge eines unglücklichen Prügelei-Verlaufs zu Tode bringt - sie beginnt mit Graham auch ein Verhältnis, während Rhonda im Gefängnis sitzt.

Dass mit der Zeit diese irre Geschichte immer mehr Facetten bekommt und die Figuren immer deftiger gezeichnet werden, macht den Reiz des Abends aus, der bei der Premiere bejubelt wurde und dem man ein längeres Bühnenleben wünschen würde als bloß bis zum 20. November. Immerhin: Für Februar 2016 sind fünf weitere Termine in Aussicht genommen.

(S E R V I C E - „Die Blonde, die Brünette und die Rache der Rothaarigen“ von Robert Hewett, Deutsch von Katharina Schuster und Christine Wipplinger, Regie: Christine Wipplinger, Ausstattung: Andrea Bernd, Musik: Imre Lichtenberger Bozoki, Mit Claudia Kottal, Deutschsprachige Erstaufführung im Kosmos Theater, Wien 7, Siebensterngasse 42, Weitere Aufführungen: 11.-14., 17., 19., 20.11., 20 Uhr, Karten: 01 / 523 12 26, www.kosmostheater.at)

(B I L D A V I S O – Pressebilder stehen im Pressebereich von http://www.kosmostheater.at zum Download bereit.)