Ausserfern

Nur einer kann führen

Tanzen ist seit 2009 in Pflach Vereinssport. Nun sind nicht nur Linedancer aus dem Schritt geraten.
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Die Neuwahlen beim Zweigverein Tanzen der Pflacher Sport- und Bergfreunde mussten abgebrochen werden. Zwei Lager stehen sich derzeit unversöhnlich gegenüber.

Von Helmut Mittermayr

Pflach –„Smoky Boots“ nennt sich der Zweigverein Tanzen bei den Pflacher Sport- und Bergfreunden. Zurzeit rauche­n dort aber eher Colts als die Westernstiefel vom Tanzen. Bei der kürzlich abgehaltenen Jahreshauptversammlung eskalierte der Streit zwischen der Pflacher Obfrau Klaudia Inwinkl und dem Allgäuer Richard Guggemos, Vorstandsmitglied und Sportwart für Standard- und Lateinamerikanische Tänze – als zweiter Sparte neben Linedance. Kurz vor der Versammlung hatten erstmals auch die „Latein-Amerikaner“ einen eigenen Wahlvorschlag eingebracht. Zur Jahreshauptversammlung waren dann fast 80 Vereinsmitglieder, weitaus mehr als üblich, gekommen. Die große Majorität der Erschienenen wurde dabei dem deutschen Tanzlehrer zugerechnet. „Ziel war es“, wie es BM Helmut Schönherr in bekannt direkter Art formulierte, „den bestehenden Vorstand zu stürzen.“

Die Chemie zwischen Guggemos und Obfrau Inwinkl passt schon länger nicht mehr. So häuften sich in letzter Zeit etwa die wechselseitigen Vorwürfe über die Verwendung von Vereinsgeldern für nicht notwendige Ausgaben der jeweiligen Sparte des anderen. Eine Problematik dürfte auch in der Art der Vereinskonstruktion für die Sparte „Standard/Lateinamerikanische Tänze“ liegen, die es einer Füssener Tanzschule ermöglicht, „Vereinsmitglieder“ in Tirol zu unterrichten.

Die aus dem Tritt geratenen Tänzer schritten schließlich zur Neuwahl, die der Vizepräsident der Pflacher Sport- und Bergfreunde, Karl Köck, leitete. Der Vorstand hatte einen Wahlvorschlag eingebracht, der mit geringen Änderungen wieder die alte Führungsriege – bis auf Guggemos standen nur Pflacher am Vorschlag – mit Obfrau Klaudia Inwinkl an der Spitze vorsah. Die Gegner legten hingegen eine fünfköpfige Liste mit Nicht-Pflachern, mehrheitlich Deutschen, vor. Der Vorschlag wies aber einen schweren formalen Fehler auf, wie Wahlleiter Köck feststellte: „Nur Namen standen drauf, ohne jede Funktion.“ Nach hitzigen Rededuellen erklärte er diesen Wahlvorschlag für ungültig. Um eine weitere Vereinsschädigung zu verhindern, brach Karl Köck die Wahl überhaupt ab und ließ auch nicht über den verbliebenen Vorschlag des Vorstandes abstimmen. „Angesichts der aufgeheizten Stimmung hätte wahrscheinlich eine Mehrheit gegen den einzigen Wahlvorschlag gestimmt und damit erst richtige vereinsrechtliche Probleme für ein Weitermachen geschaffen.“ Nun bleiben laut Vereinsstatut maximal drei Monate Zeit, um die Wahl zu wiederholen. „Die Vorgangsweise Köcks wurde inzwischen juristisch geprüft und für richtig befunden“, erklärt dazu Karlheinz Wex, Präsident der Sport- und Bergfreunde Pflach.

Für Obfrau Klaudia Inwinkl ist eine gemeinsame Zukunft mit Guggemos nicht vorstellbar. Sie wird ihn auch nicht mehr auf ihren Wahlvorschlag setzen. „Er ist uns in den Rücken gefallen. Nur wenige Tage vor dem Eklat sagte er bei einer Vorbesprechung kein einziges Wort. Auch nicht, als ich nach Wahlvorschlägen fragte. Und dann taucht er mit dieser Meute auf.“

Guggemos versucht im TT-Interview zu kalmieren. „Ich werde nichts sagen, was einer Wiederannäherung schaden könnte. Es soll ja weitergehen. Präsident Wex versucht eh auszuloten und zu vermitteln.“ Der Pfrontner Tanzlehrer legt Wert darauf, dass er den zweiten Wahlvorschlag nicht persönlich abgegeben habe, „sondern ein Tänzer“. Prinzipiell sei es aber darum gegangen, dem absoluten Übergewicht der Linedancer im Vorstand entgegenzuwirken und der zweiten Sparte mehr Gewicht zu verleihen.

Präsident Wex, selbst aktiver Standard-Tänzer, ist alles andere als happy mit der Entwicklung. Die Gründe seien vielschichtig. Es gehe auch um die Verwendung von Geld. Leider würden viele Unterstellungen die Runde machen. „Für Pflach waren Linedance und Standard-Lateinamerikanischer Tanz eine Bereicherung, die Leben ins Kulturhaus gebracht haben“, sagt Wex. Er erklärt, keiner Seite nahezustehen und alles tun zu wollen, um ein Zusammenführen und Weitermachen zu ermöglichen.

Auch BM Schönherr unterstreicht die aktive Rolle der Tänzer für Dorfleben und Kulturhaus: „In Vereinsangelegenheiten mische ich mich aber prinzipiell nicht ein. Präsident Wex hat sich der Sache eh schon angenommen.“ Ein Neustart sei notwendig. Schönherr sieht prinzipiell jedenfalls lieber, wenn Pflacher Pflacher Vereine führen und die Aktivitäten in erster Linie Pflachern zugutekommen.

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