Vier Monate nach Attacke Vucic erneut in Srebrenica

Sarajevo/Belgrad (APA) - Vier Monate nach der Attacke auf Serbiens Premier Aleksandar Vucic anlässlich des 20. Jahrestages des Massakers von...

Sarajevo/Belgrad (APA) - Vier Monate nach der Attacke auf Serbiens Premier Aleksandar Vucic anlässlich des 20. Jahrestages des Massakers von Srebrenica hielt sich dieser am Mittwoch erneut zu einem Besuch in der einstigen ostbosnischen Muslimen-Enklave auf. Anlass war ein internationales Investorentreffen, das der seit dem Krieg der neunziger Jahren an Perspektivenlosigkeit leidenden Kleinstadt helfen will.

Man wolle das laufende Jahr nutzen, um über etwas Positives zu reden und das Negative aus der Vergangenheit zu korrigieren, meinte Bürgermeister Camil Durakovic gegenüber dem serbischen TV-Sender RTS. Vucic selbst hatte eine „bedeutende“ Finanzspende seiner Regierung für Srebrenica und Finanzhilfe bei der Errichtung von öffentlichen Institutionen versprochen.

Zum Auftakt des Treffens haben Vucic und andere Delegationen, darunter das Mitglied des bosnischen Staatspräsidiums, Bakir Izetbegovic, aber auch der Präsident der kleineren bosnischen Entität, der Republika Srpska, Milorad Dodik, Blumen am Denkmal für die Massakeropfer in Potocari niederlegt. Serbien achte die Vergangenheit, meinte Vucic nach einem Spaziergang durch das Stadtzentrum von Srebrenica. Auch blicke man mit großem Optimismus in die gemeinsame Zukunft, sagte der serbische Ministerpräsident.

Nach der Einnahme der ostbosnischen Enklave durch bosnisch-serbische Truppen im Juli 1995 wurden in der Umgebung der Stadt rund 8.000 Bosniaken brutal ermordet. Seit dem Kriegsende gehört Srebrenica zur Republika Srpska.

Der erneute Besuch von Vucic in Srebrenica fand unter strengen Sicherheitsmaßnahmen statt. In der Gegend wurde schon am Dienstag der gesamte Lastkraftwagenverkehr vorübergehend eingestellt. Für den gesamten Verkehr war am Mittwoch auch das Stadtzentrum Srebrenicas gesperrt, in einigen Firmen gab es laut Medienberichten einen arbeitsfreien Tag, ebenso in den städtischen Schulen.

Bei seinem ersten Besuch in Srebrenica war Vucic im Juli vom Gedenkfriedhof in Potocari von aufgebrachten Demonstranten vertrieben worden. Der Zwischenfall wurde nicht aufgeklärt.

Zum Zeitpunkt des Massakers war der derzeitige serbische Reformpolitiker Vucic ein Spitzenfunktionär der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei von Vojislav Seselj.