UniCredit dünnt Bank Austria ganz radikal aus

Wien/Mailand (APA) - Schon bevor die Mailänder Konzernmutter UniCredit am Mittwoch die Aufsichtsratsergebnisse zum neuen Sparpaket gelüftet ...

Wien/Mailand (APA) - Schon bevor die Mailänder Konzernmutter UniCredit am Mittwoch die Aufsichtsratsergebnisse zum neuen Sparpaket gelüftet hat, war klar, dass die österreichische Tochter Bank Austria von der Neuausrichtung relativ am stärksten betroffen sein würde. Der bisherige Ertragsbringer Nummer eins, das Osteuropageschäft, wandert mit Beendigung einer vertraglichen Garantie direkt unters Konzerndach in Mailand.

Bisher haben die viele Jahre lang satten Ergebnisse aus Osteuropa das wenig rentierliche Inlandsgeschäft in Österreich subventioniert. Zwei Drittel des Betriebsergebnisses stellten bisher die Ost/Südosteuropa-Banktöchter. Nur ein Drittel stammte aus dem Österreich-Geschäft. Unter dem Strich war das Verhältnis noch deutlicher, da verblieb aus dem Inlandsmarkt in der Regel noch viel weniger Gewinn. Das Filialgeschäft in Österreich ist gänzlich unrentabel. Hier wird UniCredit dem Vernehmen nach auch die Axt ansetzen.

Was die Ostbanken anlangt, so geht es um eine „konzerninterne“ Verlagerung der Zentrale (Steuerung) von Wien nach Mailand. Allerdings wird UniCredit in internationalen Medien auch ein Verkauf einzelner Ostbanken nachgesagt. Zuletzt wurde etwa Polen genannt. Das polnische Bankgeschäft wird jetzt schon von Mailand aus gesteuert. Jetzt soll der größere Rest folgen.

Hohe Marktanteile haben in Osteuropa die bisher als Bank-Austria-Beteiligungen geführten Banken in Kroatien (26 Prozent), Bosnien-Herzegowina (23 Prozent), Bulgarien (18 Prozent) und in der Türkei (10 Prozent). Auch in Tschechien (9 Prozent), Serbien (9 Prozent), Rumänien (8 Prozent), Ungarn (7 Prozent), der Slowakei (7 Prozent) und Slowenien (ebenfalls 7 Prozent) ist sie lokal bei den größten Banken am Markt. Große Banken hat die Bank Austria (als bisherige CEE-Subholding der UniCredit Mailand) noch weiter im Osten, in Russland und in der Ukraine. Die Ukrainebank steht vor dem Verkauf. Das wird nicht ohne weitere Verluste in dem Land abgehen. Auch in Aserbaidschan ist die Bank im Geschäft.

Befürchtete harte Einschnitte im österreichischen Privatkundengeschäft lassen einige tausend Beschäftigte zittern. Seit ein paar Wochen stehen Pläne für einen Verkauf der Retailsparte samt Filialnetz im Raum. Als Interessent erbot sich die BAWAG mit ihrem Hauptaktionär, dem US-Fonds Cerberus. Nachdem die BAWAG selber mehrere hundert Filialen in Österreich hat, wäre damit ein Kahlschlag verbunden. Aufsicht und Wettbewerbshüter schlugen mehr oder verdeckt schon Alarm, weil hier zu viele Spareinlagen kumuliert würden und bei einem Weiterverkauf der BAWAG neuerlich eine unklare Lage entstünde.

Nach zahlreichen Schließungen hat die Bank Austria hierzulande noch rund 220 Zweigstellen. Hier stehen jedenfalls wesentliche Veränderungen an - zumindest ein drastischer Umbau, der auch Folgen für weitere Bankabteilungen hätte.

Die Stimmung in der größten Bank des Landes ist demnach äußerst angespannt. Die Gewerkschaften haben vorweg Widerstand gegen Zerschlagungen angemeldet. Am 24. November ist eine erste Betriebsversammlung angekündigt.

Zum Status quo: Zur Zeit hat die Bank Austria als Gruppe rund 57.000 Beschäftigte. Davon waren etwas mehr als 9.000 (Vollzeitrechnung) in der österreichischen Bank bzw. in deren Österreichtöchtern und knapp 48.000 in Osteuropa.

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