Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie pessimistisch

Bern (APA/sda) - Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) beurteilt ihre Aussichten negativ. Schuld sind der starke Fran...

Bern (APA/sda) - Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) beurteilt ihre Aussichten negativ. Schuld sind der starke Franken und die volatile Wirtschaftsentwicklung.

Das geht aus einer Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte und der Konjunkturforschungsstelle BAK Basel hervor. 89 Prozent der befragten 393 MEM-Unternehmen beurteile die Aussichten für ihre Industrie in den nächsten zwölf Monaten negativ, teilten Deloitte und BAK Basel am Mittwoch vor den Medien in Zürich mit.

96 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem Margenrückgang und 92 Prozent mit einer Umsatzeinbuße. Die Folge des starken Frankens seien auch Auftragsverluste bei 78 Prozent der Befragten, sagte BAK-Basel-Ökonom Michael Grass. 39 Prozent der Unternehmen gaben an, dieses Jahr operativ in die roten Zahlen zu rutschen.

Die Frankenstärke, der starke Wettbewerb und die volatile globale Wirtschaft würden viele MEM-Unternehmen zu weiteren betrieblichen Anpassungen zwingen, um die Margeneinbußen aufzufangen.

Dabei gewinne der Einkauf in der Eurozone stark an Bedeutung. 77 Prozent der Befragten tun dies bereits. Je 70 Prozent der Befragten haben zu Effizienzsteigerungen und zu rigorosem Produktkostenmanagement gegriffen. 69 Prozent haben Preissenkungen umgesetzt.

Bedeutend ist auch die Forcierung der Innovation (63 Prozent) und die Bezahlung in Euro bei Einkäufen in der Schweiz (40 Prozent). Praktisch ebenso viele sichern ihre Währungsrisiken ab oder erschließen neue Märkte (je 39 Prozent).

„Maßnahmen wie Preissenkungen sind kurzfristig erfolgreich um konkurrenzfähig zu bleiben, doch auf Dauer reduzieren sie die Margen und gefährden die Investitionsfähigkeit“, erklärte Industriespezialist Ralf Schlaepfer von Deloitte.

Erfolgreiche Unternehmen würden in schwierigen Zeiten die langfristige Veränderung des Unternehmens forcieren und somit künftiges Potenzial sichern, erläuterte Schlaepfer.

Beachtlich ist der Verlagerungstrend, den die Frankenstärke ausgelöst hat. 22 Prozent der Befragten hätten bereits die gesamten oder einzelnen Wertschöpfungsschritte in den Euroraum verlagert, seit die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Jänner den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgehoben hat.

Und 24 Prozent der Firmen würden diesen Schritt noch erwägen oder planen. Die beiden Werte dürfen allerdings nicht addiert werden, weil Mehrfachbeantwortungen möglich waren.

Bei einem Euro-Wechselkurs von über 1,10 Franken gaben 8 Prozent der Unternehmen Verlagerungspläne ins Ausland an, wie Grass sagte. Bei einem Euro von 1,00 bis 1,10 Franken sagt fast ein Drittel der Unternehmen, dass sie ernsthaft darüber nachdenken, Produktion aus der Schweiz in Ausland zu verlagern.

„Bei einem Euro von unter 1,00 Franken wäre der Schweizer Werkplatz wirklich in Gefahr“, sagte Grass. Da würden zwei Drittel der Unternehmen sagen, mittelfristig über Produktionsverlagerungen nachzudenken. Bei 39 Prozent würden auch Forschung und Entwicklung in der Schweiz auf dem Prüfstand stehen.

Im Hinblick auf die mittlere und längerfristige Entwicklung in der kommenden Dekade seien die Rahmenbedingungen allerdings günstiger, erklärte Grass: „Die Chancen für den Schweizer Werkplatz sind also intakt.“

Denn beim gegenwärtigen Wechselkurs hätten die Unternehmen zwar zu kämpfen. „Aber sie kommen auch durchaus zurecht“, sagte Grass: „Man darf den Kopf nicht in den Sand stecken.“ Denn es gebe nicht nur den Euro, sondern auch andere Märkte. Beim effektiven, handelsgewichteten Wechselkurs sehe die Lage nicht ganz so dramatisch aus. Der Werkplatz Schweiz sei gegenwärtig nicht in Gefahr.

Um allerdings auch langfristig international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten Schweizer Industrieunternehmen die richtigen langfristigen Wachstumsstrategien verfolgen. Deloitte und die BAK Basel sehen mehrere langfristige Wachstumsstrategien.

83 Prozent der Befragten wollen neue Kunden gewinnen. 67 Prozent wollen mit ihren bestehenden Kunden wachsen. Zudem denken über die Hälfte der Unternehmen, dass die Expansion in neue geografische Märkte stark zu ihrem Wachstum beitragen werde.

Knapp die Hälfte der Befragten gibt die Weiterentwicklung des Dienstleistungsgeschäfts als wichtige Wachstumsstrategie an. Ebenso viele denken, dass Produkt- und Prozessinnovationen stark zu ihrem Wachstum beitragen würden.

Ein Viertel der Befragten sieht das Wachstum durch Fusionen und Übernahmen zukünftig als wichtig an. Weitere 40 Prozent setzen auf Allianzen und Partnerschaften.