Ersatzbank für Sammlungsobjekte: GrazMuseum zeigt Depots

Graz (APA) - In österreichischen Museen sind mehr als 90 Prozent der Sammlungen nicht ausgestellt. Sie liegen an verborgenen Orten, die herk...

Graz (APA) - In österreichischen Museen sind mehr als 90 Prozent der Sammlungen nicht ausgestellt. Sie liegen an verborgenen Orten, die herkömmliche Museumsbesucher niemals zu sehen bekommen - den Depots. In der Foto-Ausstellung „Schlafsäle ohne Morgen“ im GrazMuseum macht der Wiener Fotograf Stefan Olah sichtbar, was sich im Backstage-Bereich der Museen verbirgt.

Sie lagern quasi auf der Ersatzbank des Ausstellungswesens: Die Tausenden Objekte, die absichtsvoll oder auch zufällig in die Museen gekommen sind, und von den jeweiligen Kuratoren nicht in die ständige Schausammlung aufgenommen wurden. Stefan Olah (geb. 1971 in Wien) hat rund 30 österreichische Museumsdepots - von der Albertina über das GrazMuseum bis zum Technischen Museum in Wien - besucht und seine Eindrücke mit der Kamera festgehalten.

Im Vorjahr ist zu dieser Reise in unbekannte Museumswelten ein Fotoband im Pustet-Verlag erschienen. Das GrazMuseum zeigt eine Auswahl der fotografischen Einblicke nun im offenen Museum im Erdgeschoß. In der Ausstellung eröffnen sich ganz neue museale Kosmen, in denen gar nichts perfekt inszeniert ist: gespenstisch wirkende Steinskulpturen, geheimnisvolle Gewölbe gefüllt mit Gipsfiguren, Dinosauriermodelle zwischen Leitungsrohren im Betonbunker, Ritterrüstungen nicht ganz in Reih und Glied, Büsten en masse, Kisten, Ordner, Stellagen. Dabei hat sich Olah jede Form der Inszenierung, des Arrangements oder auch der zusätzlichen künstlichen Beleuchtung verboten. „Verschlossene Kisten blieben verschlossen, verhängte Skulpturen verhängt“, betonte der Fotograf im Pressegespräch in Graz.

Olah lenke den Blick auf die zweite Seite des Museumsbetriebs, betonte GrazMuseum-Direktor Otto Hochreiter beim Rundgang durch die Ausstellung am Mittwoch. Eine Seite sei jene des Präsentierens und Vermittelns, die geprägt sei von glänzenden Ausstellungen, astronomischen Versicherungswerten und sich jeweils übertrumpfenden Besucherzahlen. Die gleichermaßen bedeutsame andere Seite und Kernaufgaben des Museums - die des Sammelns, Bewahrens und Forschens - kämen meist nur im Katastrophenfall in die Schlagzeilen, betonte Hochreiter. Olahs Fotografien würden nachdrücklich auf diese Bereiche des Bewahrens und ihre Besonderheiten aufmerksam machen.

Im Rahmen der Ausstellung öffnet das GrazMuseum zumindest punktuell sein eigenes Museumsdepot: Am 4. Dezember und 29. Jänner können Besucher das Sammlungsdepot in Graz-Andritz erkunden. Bei Bedarf werden weitere Termine angeboten, hieß es am Mittwoch.

(S E R V I C E - „Schlafsäle ohne Morgen - Einblicke in Museumsdepots mit Fotografien von Stefan Olah“, GrazMuseum, bis zum 28. März 2016. Onlineinfo unter http://grazmuseum.at. Publikation: Stefan Olah, Martina Griesser-Stermscheg, „Museumsdepots. Inside the Museum Storage“, Salzburg 2014, Verlag Anton Pustet)