Gerichtssplitter

Verdächtiger lange gesucht, aber vor Prozess wieder entlassen

© Zoom-Tirol

Aus unerschließlichen Gründen ist ein verhafteter Marokkaner letzten Donnerstag von der Justiz wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Gestern wurde jener Mann, der eine 17-Jährige in Innsbruck zu Allerheiligen in sein Auto nötigte, sie mit einer Pistole bedrohte und verunfallte, aus der U-Haft entlassen.

Manchmal leidet auch die Justiz unter Kommunikationsproblemen. So sollte gestern ein Urteil zu einer spektakulären Auseinandersetzung zwischen zwei Marokkanern in der Innsbrucker Hauptbahnhofshalle fallen. Einer von ihnen hatte den Kontrahenten auf den Arm genommen und in die darunterliegende Halle geworfen. Ein damals 17-Jähriger wurde schnell als Täter verhaftet. Schon zu Prozessbeginn beteuerte der erst vorgestern wegen Einbruchsversuchs Verurteilte, dass nicht er, sondern der Kontrahent der Täter sei. Dieser habe ihn und nicht, wie angeklagt, umgekehrt über die Galerie geworfen. Ein Video gibt darüber kaum Aufschluss. Umso größer war die Freude am Landesgericht, als nach langer Fahndung der Zweite endlich dingfest gemacht werden konnte. Umso größer gestern bei Prozessbeginn aber das Entsetzen, als seitens der Justizanstalt die Anfrage nach dem Mann unbeantwortet bleiben musste. Aus unerschließlichen Gründen war der Verhaftete letzten Donnerstag wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Suche nach dem Marokkaner ohne Meldeadresse beginnt nun erneut.

Aus der Untersuchungshaft entlassen worden ist hingegen jener Innsbrucker, der zu Allerheiligen für bundesweite Schlagzeilen gesorgt hatte. Damals hatte er nach einem Lokalbesuch eine 17-Jährige mit einer Pistole in sein Auto genötigt und sich gleich darauf im Kreisverkehr beim Olympiastadion überschlagen. Danach raste der Lenker noch durch einen Schranken der Olympiaworld und wurde erst durch einen Baum gestoppt. Da die Ursache für den Amoklauf nur ein Streit gewesen sein soll, wird laut Staatsanwaltschaft gegen den 42-Jährigen auf freiem Fuß wegen schwerer Nötigung und fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Gut aufgehoben ist hingegen für die nächste Zeit ein 46-jähriger Deutscher. Er hatte sich im Sommer bei vier Tiroler Hotels als BMW-Mitarbeiter ausgegeben und 8500 Euro verkonsumiert. Von acht Monaten Haft sind zwei zu verbüßen. Danach geht es in Auslieferungshaft direkt weiter nach Deutschland, wo Ähnliches angeklagt wurde.

Eine 1200-Euro-Geldstrafe muss hingegen ein 32-jähriger Mann berappen, der seinen Mitbewohner so lange bedrohte und verletzte, bis dieser mit dem Rucksack auf der Schulter über die Terrasse zur Polizei geflüchtet war. (fell)

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