Skispringen

Die Herbst-Depression fällt im Adlerhorst aus

© Kiechl

Gut gelaunt verpassen sich Österreichs Skispringer in Oberstdorf (GER) den Feinschliff für die Weltcup-Saison. Das deutsche Team taktiert.

Von Benjamin Kiechl

Oberstdorf –Man merkt, dass der ÖSV-Cheftrainer ein Kärntner ist: Pünktlich zu Faschingsbeginn um 11.11 Uhr beendete Heinz Kuttin gestern das Training auf der Schattenbergschanze in Oberstdorf mit einem Witz. „Nachmittagsprogramm: mit kurzer Hose in der Sonne liegen und schwimmen“, scherzt Kuttin und ließ den Blick bei Sonnenschein und angenehmen 16 Grad vom Trainerturm Richtung Oberstdorf schweifen. Das Allgäu erstrahlte im gleißenden Licht. Ein Farbenspiel, das so gar nicht an den Winter erinnert. Kuttins Athleten absolvierten seit 9 Uhr morgens eine der letzten Sprungeinheiten vor dem Weltcup-Auftakt in Klingenthal (GER, ab 20.11.). Die Stimmung im ÖSV-Adlerhorst war beim TT-Lokalaugenschein schon zeitig am Morgen bestens. „Wir sind ein cooles, junges Team“, sagte Stefan Kraft mit einem Lächeln. Die Kleinschanze in Oberstdorf (Hillsize 106 m) bietet neben Hinzenbach derzeit die einzige Möglichkeit in Europa, Sprünge von einer Eisspur zu absolvieren. Innsbruck und Ramsau lassen das nicht zu, Skandinavien noch nicht.

Bleibt nur der traditionelle Auftaktort für die Vierschanzentournee, die ÖSV-Adler sind dort freilich nicht alleine: Schweiz, Slowenien, Korea und natürlich auch Deutschland sind da. Zeitgleich mit den Österreichern wollen die Hausherren aber nicht springen, „damit nicht zu viele Leute auf der Schanze sind“, versicherte der Wörgler Stefan Horn­gacher, Co-Trainer bei den Deutschen. Es erweckte den Eindruck, als wolle man taktieren und nicht alle Karten auf den Tisch legen. Teamleader Severin Freund fehlte gestern.

Kuttin zeigte gegenüber den Konkurrenten keine Berührungsängste, wähnte eine kompakte Mannschaft hinter sich. „Wir können mit breiter Brust zum Weltcup-Auftakt fahren!“, sagte der 44-Jährige, während er seine Adler der Reihe nach abwinkt. Mit dem Funkgerät gibt er Feedback. „Bravo“, lobte er Stefan Kraft. „Schwer in Ordnung“, richtete er Gregor Schlierenzauer aus.

Heinz Kuttin und Andreas Widhölzl analysierten die Sprünge ihrer Schützlinge.
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Die Tiroler Manuel Fettner (springt mit einem Hartplastik-Schuh) und Andreas Kofler (einziger ÖSV-Athlet mit Rückenprotektor) wollen mit konstanten Leistungen aufzeigen. „Ich werde die ganze Saison mit Rückenschutz springen. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, wie wir Springer uns bei Stürzen schützen können“, so Kofler. Auf seine Vorreiter-Rolle ist auch ein TV-Team des ZDF aufmerksam geworden, das den 31-Jährigen für eine Doku zum Thema „Sicherheit im Sport“ befragte.

Weil Vierschanzentournee-Sieger Thomas Diethart nach einer Knieverletzung aus dem Weltcupkader rutschte und sich über den Continentalcup zurückkämpfen muss, will der Axamer Manuel Poppinger (26) seine Chance nützen und fast fünf Jahre nach seinem Weltcup-Debüt den Turbo zünden. Die Sonnenstrahlen sorgen bei ihm für gute Laune, von Herbstdepression keine Spur. „Ich habe ein super Gefühl beim Springen und freue mich darauf, endlich arbeiten zu dürfen“, sagte Poppinger. Er hoffe auf regelmäßige Einsätze im Schnee.

Apropos Schnee: Der soll für den Weltcup-Auftakt in Klingenthal noch rechtzeitig herbeigeschafft werden. „Zwei Drittel sind schon da“, betonte Horngacher. „Hoffentlich klappt es“, ergänzt Kuttin. Beim Thema Schnee kennt er keinen Spaß.

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