Trauer um Schmidt - Politik und Bürger gedenken deutschem Altkanzler

Berlin/Hamburg (APA/dpa) - Mit Blumen, Plakaten und Mentholzigaretten: Zahlreiche Menschen gedenken im Hamburger Rathaus dem deutschen Altka...

Berlin/Hamburg (APA/dpa) - Mit Blumen, Plakaten und Mentholzigaretten: Zahlreiche Menschen gedenken im Hamburger Rathaus dem deutschen Altkanzler Helmut Schmidt (1974-82). Die Politik verneigt sich vor einem großen Staatsmann.

Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel trugen sich am Mittwoch im Kanzleramt in ein Kondolenzbuch ein. Die Sitzung des deutschen Bundeskabinetts begann mit einer Schweigeminute. Gauck ordnete einen Staatsakt zum Gedenken an den Altkanzler an, der am gestrigen Dienstag im Alter von 96 Jahren gestorben war. Ein Termin dafür stand zunächst noch nicht fest. Nach einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ soll Schmidt in zwei bis drei Wochen bei einem Staatsakt in seiner Heimatstadt Hamburg gewürdigt werden.

Die US-Regierung würdigte den Altkanzler als Leitfigur in einer zentralen Epoche der deutschen Geschichte. „Er war eine feste, sichere Stimme in einer Zeit der Ungewissheit“, teilte das Weiße Haus mit. „Seine Arbeit half, unsere gemeinsame Vision vom Bau eines friedlichen und demokratischen Europas voranzutreiben.“

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte Schmidt bereits am Dienstag als „herausragende Persönlichkeit Nachkriegsdeutschlands für die europäische und globale Politik“ gewürdigt. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nannte Schmidt einen „Freund, der mir, ebenso wie Europa, fehlen wird“. Frankreichs Präsident Francois Hollande sprach von dem Sozialdemokraten (SPD) als „großen Europäer“.

Vor dem Hamburger Rathaus standen am Mittwoch in der Früh Hunderte Bürger im Nieselregen Schlange, um sich in ein Kondolenzbuch einzutragen. Vor dem Wohnhaus Schmidts legten zahlreiche Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Schmidts Leichnam wurde am Vormittag aus dem Haus in Hamburg-Langenhorn gebracht. Als der Leichenwagen das Grundstück verließ, salutierten Polizeibeamte. Schmidt war am Dienstag im Alter von 96 Jahren im Kreis seiner Familie gestorben.

Gauck trugt sich im Kanzleramt als erstes in das Kondolenzbuch ein. „Dank dem Staatsmann, der seinem, unserem Land mit Weitsicht, Entschlossenheit und der Leidenschaft zur Vernunft diente. Dank dem Bürger, der uns vorlebte, dass Verantwortung der Lebensatem der Demokratie ist“, schrieb er nach Angaben des Bundespräsidialamtes.

Merkel äußerte sich „in tiefer Trauer und Respekt vor einem großen Staatsmann“. Wie Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilte, liegt das Kondolenzbuch bis Mittwoch nächster Woche in der Regierungszentrale aus. Auch im Willy-Brandt-Haus der SPD in Berlin gibt es ein Kondolenzbuch zu Ehren des weltweit geachteten Sozialdemokraten.

In Hamburg waren vor dem Rathaus Plakate angebracht, auf denen es unter anderem hieß: „Mach‘s gut, Helmut. Und grüß Loki.“ Loki ist Schmidts 2010 gestorbene Ehefrau. Auch ein Päckchen Mentholzigaretten für den starken Raucher Schmidt wurde neben Blumen und Kerzen abgelegt.

„Er war ein ganz, ganz toller Mensch“, sagte die eigens aus dem Umland der Hansestadt zum Hamburger Rathaus angereiste Eleni Weiß. Sie habe sich zum ersten Mal überhaupt in ein Kondolenzbuch eingetragen. Es sei ihr ein Bedürfnis gewesen; sie empfinde Trauer. Die Hamburgerin Meike Mänecke sagte nach ihrem Eintrag in eines der beiden Kondolenzbücher, die neben einem großen Schwarz-Weiß-Foto Schmidts in der sogenannten Diele des Rathauses aufgelegt waren: „Ich bin mit dem Mann großgeworden, er hat mein Bild von Politik geprägt.“ Imponiert habe ihr etwa, dass Schmidt auch zu seinen Fehlern gestanden sei. „Einen Mann dieses Formats sucht man in der heutigen Politik vergebens“, erklärte Gerhard Sasse, der mit seiner Frau Regina ins Rathaus gekommen war. Für sie war Schmidt ein „stets glaubwürdiger Politiker“.