Hypo-Strafprozess - „Striedinger hat Kompetenzen überschritten“

Klagenfurt (APA) - Im Untreueprozess gegen den Ex-Hypo-Vorstand Günter Striedinger am Landesgericht Klagenfurt hat am Mittwochnachmittag der...

Klagenfurt (APA) - Im Untreueprozess gegen den Ex-Hypo-Vorstand Günter Striedinger am Landesgericht Klagenfurt hat am Mittwochnachmittag der ehemalige Hypo-Chef Wolfgang Kulterer, der wegen einer Verurteilung in einer anderen Hypo-Causa eine Haftstrafe verbüßt, als Zeuge ausgesagt. Unter anderem bestätigte er eine Aussage aus dem Jahr 2010, dass Striedinger seine Kompetenzen überschritten habe.

Kulterer, der zum fraglichen Zeitpunkt im Jahr 2005 als Vorstand unter anderem für den Bereich Marktfolge zuständig war, erklärte, er habe Goran Strok, dem die Hypo den Kauf einer Liegenschaft auf der kroatischen Insel Jakljan ohne Sicherheiten finanziert hat, gekannt, aber selbst keines der Projekte der Strok-Gruppe betreut. Strok sei ein dynamischer Unternehmer und begnadeter Verkäufer gewesen. Wegen der Höhe des Obligos sei man aufgrund der Größe der Bank allerdings am Limit gewesen.

Staatsanwalt Norbert Ladinig hielt Kulterer auch eine Aussage aus dem Jahr 2010 vor, in der er, Kulterer, gesagt hatte, dass Striedinger in dieser Frage seine Entscheidungskompetenz überschritten und seine Position ausgenutzt habe, um sein Ziel zu erreichen. Striedinger habe gewusst, dass es sich bei Strok um einen Großkunden handle und daher die Gremien hätten befasst werden müssen. Dazu sagte Kulterer, inhaltlich sei dies richtig, doch die Formulierungen seien sehr hart gewählt und von den Beamten der Soko geprägt. Er sei damals mehrmals einvernommen worden und körperlich und mental an der Grenze gewesen.

Kulterer selbst hat für einen anderen Interessenten an der Liegenschaft eine Bietergarantie unterfertigt. Ein Anwalt als Vertreter einer Gruppe, die das Anwesen ebenfalls haben wollte, sei diesbezüglich an ihn herangetreten, sagte Kulterer im Zeugenstand. Tags darauf habe ihn Striedinger angerufen und erklärt, damit nicht einverstanden zu sein, weil er bereits Strok eine Garantie zugesagt habe. „Ich hab ihm gesagt, du warst nicht da und ich habe nicht gewusst, dass es eine andere Vereinbarung gibt“, sagte Kulterer.

Striedinger hingegen hatte ausgesagt, er habe mit Kulterer die Strok-Garantie in der Höhe von 300.000 Euro vereinbart und dann erst habe Kulterer die zweite Garantie zugesagt. Kulterer blieb am Mittwoch bei seiner Variante. Auch von der zweiten Garantie in der Höhe von 5,7 Mio. Euro, die Striedinger über die Hypo Serbien veranlasst hatte, habe er erst nachträglich erfahren, als die Causa in die Gremien der Bank gekommen sei, erzählte Kulterer in der Befragung durch Richterin Ute Lambauer. Striedinger hatte auch zu diesem Betrag erklärt, dass vorher alles abgesprochen gewesen sei.

Kulterer meinte aber ebenfalls, es habe keine andere Möglichkeit als die nachträgliche Genehmigung durch den Kreditausschuss gegeben, da die Bank zu diesem Zeitpunkt ja schon obligiert gewesen sei. Auch hätten die Mitglieder des Kreditausschusses in der Sitzung keinen Wirbel haben wollen, weil die Staats- und Landesaufsicht dabei gewesen sei, ergänzte Kulterer seine Aussage. Dass es eine Verstimmung zwischen ihm und Striedinger gegeben habe, sei kein Geheimnis.

Die Hauptverhandlung wurde für weitere Zeugenbefragungen auf den (morgigen) Donnerstag vertagt.

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