Gesellschaft

Schulreform: Das Hoffen auf einen Neustart

(Symbolbild)
© Thomas Murauer

Am 17. November wird man erkennen, ob die Regierung zu einem echten Systemwechsel in der Schule bereit ist. Die Erwartungen sind gespalten.

Innsbruck, Wien — Dass man es sich nicht leisten wird können, „etwas Kleines“ zu präsentieren, hat Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek bereits angekündigt. Was am 17. November wirklich präsentiert werden wird, ist offen: „Wie ein wenig motivierter Schüler macht auch die Schulreformkommission ihre Aufgaben erst in den letzten zwei Nächten vor der Prüfung am 17. November. Da geht es dann ins Detail, wo bekanntlich der Teufel drinnen steckt“, sagt Andreas Salcher, Bestsellerautor und bekannter Kritiker des Schulsystems.

Ein wichtiger Knackpunkt von vielen wird sein: Wer wird die Macht über die Lehrer haben — Bund, Länder oder wieder beide? Wer diese hat, wird der große Bestimmer im Schulsystem sein. „Wir werden sehen, ob die Regierung zu einem Systemwechsel bereit ist und diesen im Parlament gegen alle Lobbys beschließen wird, oder ob es nur bei PR-Überschriften bleibt. Langfristig bin ich sehr optimistisch, weil das derzeitige System nicht finanzierbar ist und wie jede Planwirtschaft an seinen inneren Widersprüchen zerbrechen wird“, sagt Andreas Salcher.

Tirols Lehrervertreter Karl Digruber, Direktor am BRG Imst, kritisiert die Zusammensetzung der Kommission: „Da sitzen Leute, die keinen direkten Hang zur Schule haben.“ Schule könne auch nicht alles leisten: „Derzeit ist es so, als müsste sie die Defizite der Eltern, der Integrations- und Sozialpolitik egalisieren.“ Bei der Zahl der Schulpsychologen und Sozialarbeiter lag Österreich 2008 beispielsweise an letzter Stelle hinter der Türkei. „Seither nehmen wir an dieser Studie gar nicht mehr teil!“ Um im OECD-Mittelfeld zu liegen, bräuchte es 13.000 Stellen. (lipi, ms)

Die Knackpunkte

Zuständigkeiten: Bund, Länder oder beide? Diese Frage ist zwar pädagogisch irrelevant, aber wer die Macht über die Lehrer hat, der hat die Macht über das Schulsystem.

Die besten Lehrer: Angekündigt ist, dass sich Direktoren in Zukunft von ungeeigneten Lehrern trennen können. Was passiert mit diesen dann? Viele Lehrer sind unkündbare Beamte.

Helfer für die Schule: Lehrer können sich nur auf den Unterricht konzentrieren, wenn sie so wenig Verwaltungsarbeit wie nötig haben und Sozialarbeiter und Schulpsychologen sie unterstützen. Das kostet Geld.

Ganztägige Betreuung: Wenn man von echten Ganztagsschulen träumt, wie schnell schafft man die dafür notwendigen modernen Arbeitsplätze für die Lehrer an den Schulen?

Gleiche Chancen: Derzeit ist die soziale Herkunft für den Schulweg entscheidender als die Begabung und das Können der Kinder. Als mögliche Lösung wird die gemeinsame Schule aller mit starker individueller Förderung gesehen.

Autonomie: Die Direktoren einer Schule sollen sich ihr Lehrerteam aussuchen können. Schulen sollen um die Besten werben. Es soll stärker möglich sein, inhaltliche Schwerpunkte an Schulen zu setzten. Dafür bräuchte es aber auch mehr Budget.

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