Flüchtlinge - Zahl in deutschen Erstaufnahmeeinrichtungen unbekannt

Berlin (APA/AFP/dpa) - Die deutsche Bundesregierung hat einem Bericht zufolge eingestanden, die genaue Zahl der in deutschen Erstaufnahmeein...

Berlin (APA/AFP/dpa) - Die deutsche Bundesregierung hat einem Bericht zufolge eingestanden, die genaue Zahl der in deutschen Erstaufnahmeeinrichtungen untergebrachten Flüchtlinge nicht zu kennen. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitierte in ihrer Donnerstagsausgabe aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine entsprechende Frage der Abgeordneten Renate Künast (Grüne). Sie hatte um die Zahl gebeten.

Staatssekretär Ole Schröder erklärte daraufhin, der Regierung liege „keine Gesamtübersicht über die Zahl der in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebrachten Asylbewerber vor“. Der Regierung sei auch „nicht bekannt“, wieviele Menschen von den ersten Einrichtungen auf die Kommunen verteilt wurden. Künast sagte der „Süddeutschen Zeitung“ dazu, es sei zwar verständlich, „dass es schwierig ist, die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland zu kennen“. Dass die Regierung „aber schlicht gar nicht weiß, wie viele Menschen sich zur Zeit in den Erstaufnahmeeinrichtungen aufhalten, ist peinlich“.

Künast kritisierte vor diesem Hintergrund die Flüchtlingspolitik der deutschen Regierung. Statt täglich „mit neuen Gesetzesverschärfungen zu marodieren“, sollten Innenminister Thomas de Maiziere und Kanzleramtsminister Peter Altmaier (beide CDU) „lieber ihre Hausaufgaben machen“, sagte Künast. Die Schutzsuchenden müssten versorgt und registriert und ihre Anträge müssten bearbeitet werden.

De Maiziere hatte in den vergangenen Tagen mit Verschärfungen bei der Asylpolitik für Unmut auch in der Regierung gesorgt. Die Neuerungen betrafen vor allem die Situation der in Deutschland um Asyl bittenden syrischen Flüchtlinge.

Immer mehr Flüchtlinge erreichen Deutschland - gleichzeitig sinkt unterdessen nach einer aktuellen Umfrage die Bereitschaft der Bürger, den Ankommenden zu helfen. Auf die Frage „Was würden Sie tun, um Flüchtlinge in Deutschland zu unterstützen?“ antworten aktuell 38 Prozent mit „Nichts“. Vor zwei Monaten waren es 32 Prozent, wie aus einer repräsentativen Umfrage hervorgeht, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov nun zum zweiten Mal im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur online durchführte.

Demnach hat sich der Anteil der Bürger, die nach eigener Aussage schon einmal etwas für Flüchtlinge getan haben, seit Anfang September zwar leicht erhöht (von 18 auf 21 Prozent). Allerdings sagen nur noch 17 Prozent, sie hätten vor, Flüchtlinge zu unterstützen (nach 23 Prozent). Mehr Menschen als zuletzt antworten hier mit einem klaren Nein (62 statt 59 Prozent).

Deutlich weniger Befragte als vor zwei Monaten können sich vorstellen, Geld zu spenden (13 statt 18 Prozent). Unter denen, die bisher nichts getan haben, vertreten nun mehr die Ansicht, der Staat unternehme genug für Flüchtlinge (31 nach 27 Prozent).

Von den Bürgern, die bereits Flüchtlinge unterstützt haben, spendete der Großteil Sachen wie Kleidung oder Spielzeug. Andere halfen zum Beispiel bei Behördengängen oder in der Schule oder spendeten auch Geld. Nur ein sehr kleiner Teil der Befragten nahm selbst einen oder mehrere Flüchtlinge auf.