Als Prolo zum Publikumsliebling: „Mundl“-Karl Merkatz wird 85

Wien (APA) - Mit zwei rauen aber herzlichen Proletariern spielte sich Karl Merkatz in die Herzen der Österreicher: Sowohl der Mundl als auch...

Wien (APA) - Mit zwei rauen aber herzlichen Proletariern spielte sich Karl Merkatz in die Herzen der Österreicher: Sowohl der Mundl als auch der Bockerer prägen bis heute das Bild des vielseitigen Schauspielers, der neben Film- und Fernsehrollen aber auch als Theater- und Musicaldarsteller Erfolge feierte. Am Dienstag (17. November) feiert der Publikumsliebling nun 85. Geburtstag.

Geboren wurde Karl Merkatz 1930 als Sohn eines Werkzeugmachers und einer Weberin in Wiener Neustadt. Schon als Kind war er vom Theater fasziniert und spielte in einer Laiengruppe, doch auf Wunsch seiner Eltern, „eine richtiges Handwerk“ zu erlernen, machte er zunächst eine Tischlerlehre. Nach absolvierter Lehre ging er nach Zürich und verfolgte von dort sein Ziel, Schauspieler zu werden. Nach Schauspielunterricht unter anderem in Wien begann er ein Studium am Mozarteum in Salzburg, das er 1955 mit Auszeichnung abschloss. Seine ersten Bühnenengagements hatte Merkatz am Kleinen Theater in Heilbronn und am Salzburger Landestheater. In Heilbronn lernte er auch seine Frau Martha Metz kennen, mit der er seit 1956 verheiratet ist. Danach ging er für einige Jahre nach Deutschland, wo er an den Städtischen Bühnen Nürnberg, an den Bühnen der Stadt Köln, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Thalia Theater und den Münchner Kammerspielen arbeitete.

Auf der Bühne spielte Merkatz vor allem Nestroy-, Raimund- und Shakespeare-Figuren, aber eines seiner Lieblingsstücke ist bis heute Becketts „Warten auf Godot“. Am Burgtheater und bei den Salzburger Festspielen 2005 spielte er „König Ottokar“ und gastierte im selben Jahr im „Jedermann“ als armer Nachbar. Merkatz wirkte auch in Operetten mit und gastierte in Hamburg ebenso wie an der Niederländischen Oper Antwerpen. 1993 spielte er erstmals in einer Musicalrolle am Stadttheater Klagenfurt als „Der Mann von La Mancha“ und später am Theater an der Wien als Milchmann Tevje in „Anatevka“. 2009 gab er seinen Abschied von der Theaterbühne bekannt - sein großer Wunsch, einmal den „König Lear“ zu spielen, ging nicht in Erfüllung. Nachdem er ab 2008 erfolgreich sein Kabarettprogramm „Der Blunzenkönig“ auf die Bühne brachte, kam das Stück heuer mit Merkatz in der Hauptrolle auch in die heimischen Kinos - beileibe nicht der einzige Leinwandauftritt des Vielseitigen.

Im Lauf seiner Karriere war Merkatz in mehr als 250 Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Den Durchbruch und seinen bis heute prägenden Auftritt hatte er in Reinhard Schwabenitzkys „Ein echter Wiener geht nicht unter“. Die Rolle des „Mundl“ wurde zu einer der populärsten Fernsehfiguren der Zweiten Republik und machte Merkatz zu einem der beliebtesten Schauspieler. 2008 fand die Erfolgsgeschichte des Karl Sackbauers mit dem Film „Echte Wiener - Die Sackbauer-Saga“ eine erfolgreiche Fortsetzung, der sich 2010 „Echte Wiener 2 - Die Deppat‘n und die Gspritzt‘n“ anschloss. Seine zweite Leibrolle wurde die des „Bockerer“ in Franz Antels gleichnamiger Filmreihe. Für die Rolle als Franz Bockerer wurde er 1982 mit dem Filmband in Gold und dem Deutschen Schauspielpreis ausgezeichnet. Für „Anfang 80“ schließlich erhielt er 2013 unter anderem den Österreichischen Filmpreis als bester Hauptdarsteller. Aber auch von offizieller Seite gab es zahlreiche Ehrungen, etwa das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, die Goldene Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien oder 2002 das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich.

Auch der ORF ehrt den Jubilar aus gegebenem Anlass. Zu erleben ist Merkatz am 15. November in Franz Antels „Der Bockerer III - Die Brücke von Andau“ (14.30 Uhr, ORF 2), im zweiteiligen Fernsehfilm „Easy Radler - Abenteuer in Australien“ (20.11., 22.40 Uhr, ORF III) sowie in Sabine Hiebler und Gerhard Ertls berührendem Altersdrama „Anfang 80“ (20.11., 20.15 Uhr, ORF III). Merkatz‘ erfolgreicher Karriere auf der Theaterbühne wird mit den Aufzeichnungen der Nestroy-Posse „Der Unbedeutende“ aus dem Volkstheater von 1981 (15.11., 15.20 Uhr, ORF III) und „Der Mann von La Mancha“ aus dem Stadttheater Klagenfurt 1993 (22.11., 14.45 Uhr, ORF III) Rechnung getragen. Den Menschen Karl Merkatz abseits TV, Kino und Bühne bringen die Doku „Karl Merkatz - Vom Tischler zum echten Wiener“ (15.11., 9.40 Uhr, ORF 2 und 20.11., 21.45 Uhr, ORF III) sowie Günter Kaindlstorfers Feature „Der Mundl der Nation“ im Rahmen der Ö1-“Hörbilder“ (14.11., 9.05 Uhr) näher.

(B I L D A V I S O – Bilder von Karl Merkatz wurden unter anderem im Jahr 2014 wiederholt über den AOM verbreitet und sind dort abrufbar.)