Schwierige Vermittlermission: Oman soll Syrien-Konflikt entknoten

Teheran/Wien (APA) - Kurz vor der erneuten großen Runde der Syrien-Konferenz in Wien an diesem Wochenende versucht der wichtigste Vermittler...

Teheran/Wien (APA) - Kurz vor der erneuten großen Runde der Syrien-Konferenz in Wien an diesem Wochenende versucht der wichtigste Vermittler und Mediator im Konflikt, der Oman, die verzwickte Situation zu entknoten. Wieder geht es um die Zukunft des syrischen Machthabers Bashar al-Assad und um den Gegensatz zwischen Teheran und Riad als Spiegelbild der Region.

Am Donnerstagvormittag ist zu diesem Zweck der iranische Vizeaußenminister für arabische und afrikanische Angelegenheiten, Hossein Amir Abdollahian, laut Angaben der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA im Rahmen seiner Regionaltour zu einem Sonderbesuch in die omanische Hauptstadt Muskat gereist.

Abdollahian, der zuvor in Moskau und Beirut zu Gesprächen mit verschiedenen Politikern zu Besuch war, will eigenen Angaben zufolge in Muskat „intensive Gespräche über gemeinsame Interessen, regionale Entwicklungen, Syrien, den Jemen und Palästina“ führen.

Das Treffen hat vor der Syrien-Konferenz enorme Bedeutung, zumal der Iran damit gedroht hat, die Konferenz in Wien zu boykottieren. In erster Linie geht es an diesem Wochenende darum, dass die rund 20 Konferenzteilnehmer neue Möglichkeiten erörtern, um die Syrien-Krise zu beenden. Vor dem Treffen sollen in der österreichischen Hauptstadt außerdem Arbeitsgruppen zusammenkommen, um über Differenzen hinsichtlich „terroristischer“ Gruppen, der Opposition und der humanitären Krise in Syrien zu sprechen.

Der Oman schickt als einziges Teilnehmerland eine Sonderdelegation mit verschiedenen Vermittlern und will auch im Vorfeld des Treffens bereits die Wogen zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Königreich Saudi-Arabien glätten. Teheran unterstützt im Syrien-Konflikt Assad, Riad die Opposition.

Bei der letzten Konferenz in Wien vor zwei Wochen hat es ein kolportiertes Schreiduell zwischen dem iranischen Außenminister Mohammad Javad Zarif und seinem saudi-arabischen Amtskollegen Adel al-Jubeir gegeben. Dabei soll Zarif die Saudis gewarnt haben, „die iranische Geduld nicht überzustrapazieren“.

Genau hier will Muskat ansetzen und kalmierend einwirken. Im Oman hat in der Außenpolitik zwar formal Außenminister Youssef al-Alawi Abdullah das Zepter seit 1997 in der Hand und ist seit 1982 fachlicher Leiter der Außenpolitik, doch die Fäden im Hintergrund zieht nach wie vor der mächtige, aber sehr kranke Sultan Qabus. Er hat als einer der wenigen Politiker weltweit uneingeschränkten Kontakt zum Obersten Geistlichen Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, und zum saudischen König Salman.

Dennoch wird Qabus es schwer haben, denn der Hass zwischen Riad und Teheran sitzt tief. Beide führen einen Stellvertreterkrieg um die regionale Vormachtstellung im Nahen und Mittleren Osten: Sie haben mehr als zehn heikle gemeinsame Konfliktfelder, die Stachel der konträren Positionen sitzen dabei tief beim jeweiligen Kontrahenten. Sei es nun das jüngste Hadsch-Unglück, bei dem Hunderte Iraner ums Leben kamen oder das Pulverfass Jemen, wo Riad die Regierung unterstützt und Teheran vorwirft, aufseiten der Houthi-Rebellen aktiv zu sein.

Eines ist aber schon jetzt klar: Es wird lange dauern, bis es in Syrien eine Lösung gibt. Seit mehr als viereinhalb Jahren herrscht Bürgerkrieg. Über 250.000 Menschen wurden bereits getötet, Millionen Syrer sind auf der Flucht. Während der Iran und auch Russland an Assad festhalten, fordern die USA, die europäischen Staaten und Saudi-Arabien, dass der Präsident die Macht abgibt.

Die Vermittlerrolle des Oman zwischen dem sunnitischen und schiitischen Lager kommt nicht von ungefähr: In dem dem Jemen benachbarten Land an der Südostspitze der Arabischen Halbinsel stellt die zahlenmäßig unbedeutende islamische Glaubensrichtung der Ibaditen die Mehrheit, die weder zur Schia noch zum Sunnitentum gehört. Sie gehen auf die frühislamische Bewegung der Kharijiten aus der Zeit des beginnenden Schismas dieser Weltreligion zurück.