Irak

Tausende Kurdenkämpfer starten Großoffensive gegen IS

Rauch über der vom IS kontrollierten Stadt Sinjar, nach einem Luftschlag der US-geführten Koalition.
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Die irakischen Peshmerga rücken mit Unterstützung der US-Koalition seit Donnerstag auf mehreren Achsen in der strategisch wichtigen Region Sinjar gegen die Terrormiliz vor.

Sinjar - Mit Hilfe der internationalen Koalition haben die Kurden im Nordirak eine Großoffensive gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) begonnen. Ziel sei die Befreiung der strategisch wichtigen Stadt Sinjar, teilte der Sicherheitsrat der kurdischen Autonomiegebiete am Donnerstag mit. Demnach konnten die Kurden eine wichtige IS-Nachschubroute nach Syrien kappen. Der IS hatte die vor allem von der Minderheit der Yeziden bewohnte Region im vergangenen Jahr erobert und Zehntausende vertrieben.

Intensive Luftangriffe durch US-geführte Koalition

Nach kurdischen Angaben sind 7500 Peshmerga-Kämpfer an der Offensive beteiligt. Flugzeuge der von den USA geführten Koalition flogen laut Pentagon intensive Luftangriffe auf IS-Ziele. TV-Bilder zeigten Rauchsäulen über Sinjar. Reporter berichteten von heftigen Gefechten. Auch Kämpfer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) seien im Einsatz, meldete die kurdische Nachrichtenagentur Fira.

Kurdische Selbstverteidigungstruppen (Peschmerga) vor den Toren Sinjars.
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Sinjar ist strategisch von großer Bedeutung, weil die Stadt an der wichtigsten Verbindungsstraße zwischen den beiden IS-Hochburgen Al-Raqqa in Syrien und Mossul im Irak liegt. Über diese Strecke transportieren die Extremisten Kämpfer und Nachschub. Sinjar gehört zudem zu den Gebieten, über deren Hoheit sich die kurdische Autonomieregierung im Nordirak und die Zentralregierung in Bagdad seit Jahren streiten. Als Yeziden-Hochburg hat die Stadt auch eine große symbolische Bedeutung.

„Entscheidende Etappe für Befreiung Mossuls“

Den Peshmerga-Kämpfern gelang am Donnerstag zunächst die Rückeroberung mehrerer nördlich gelegener Dörfer, wie General Hashem Seetayi AFP sagte. „Der Angriff hat am Morgen um 07.00 Uhr (05.00 Uhr MEZ) begonnen, die Peshmerga-Kommandanten sind auf mehreren Achsen vorgerückt, um das Zentrum des Bezirks von Sinjar zu befreien“, sagte General Ezzedin Saadun. Ein US-Geheimdienstoffizier, Chance McCraw, schätzte die Zahl der IS-Kämpfer in Sinjar auf 300 bis 400; es befänden sich zahlreiche Sprengfallen in der Stadt.

Sinjar liegt rund 50 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. „Durch eine Einnahme Sinjars werden wir in der Lage sein, diese Kommunikationslinie zu durchtrennen, die (den IS) nach unserer Einschätzung in die Lage versetzt, sich mit Nachschub zu versorgen“, sagte der Sprecher der Koalition, US-Oberst Steve Warren. Dies wäre eine „erste entscheidende Etappe bei einer möglichen Befreiung Mossuls“. Eine Niederlage des IS in Sinjar, mehr noch in Mossul, wäre von hoher symbolischer Bedeutung. In der Region Sinjar hatten vor dem IS-Vormarsch rund 400.000 Menschen gelebt.

Extremisten setzen Selbstmordattentäter ein

Die Extremisten setzten Selbstmordattentäter gegen die Kurden ein. In einer über das Internet verbreiteten Stellungnahme erklärten sie, Dutzende kurdische Angreifer seien getötet oder verletzt worden. Nach kurdischen Angaben sollen rund 600 IS-Kämpfer Sinjar verteidigen. Nach Angaben des US-Militärs wurden bei Luftangriffen zur Unterstützung der kurdischen Offensive 60 bis 70 IS-Kämpfer getötet.

Der IS hatte die Sinjar-Region im August 2014 überrannt. Zehntausende flohen in das Sinjar-Gebirge nördlich der Stadt. Das Gebiet wird überwiegend von der religiösen Minderheit der Yeziden bewohnt, die der IS als „Teufelsanbeter“ verfolgt. Unter anderem die Angst vor einem Völkermord an den Yeziden führte dazu, dass die USA 2014 mit Luftangriffen gegen den IS in den Konflikt eingriffen. Bis heute sind Hunderte Frauen als Sklavinnen in den Händen der Extremisten.

Peshmerga als wichtigste Verbündete des Westens im Irak

Die Peshmerga-Kämpfer sind der wichtigste Verbündete des Westens im Irak. Deutschland und andere Ländern unterstützen die Kurden mit Waffen und durch Trainingsprogramme. Die irakischen Kurden stehen dem IS auf einer mehr als 1000 Kilometer langen Front gegenüber. (APA/dpa/Reuters/AFP)

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