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Bank-Austria-Drama: Kunden verärgert, Mitarbeiter zittern

Die Schließungen betreffen vor allem Ballungsräume, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.
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Tiroler Kunden der Bank Austria zeigen sich über den geplanten Kahlschlag enttäuscht. Den Mitarbeitern wurde ein Maulkorb verpasst.

Wien, Innsbruck –Nach der Ankündigung der italienischen UniCredit, die Kosten bei der österreichischen Tochter Bank Austria radikal senken zu wollen, versucht Bank-Chef Willibald Cernco zu beschwichtigen. Kunden und Mitarbeiter sind jedoch verunsichert und fordern eine rasche Klärung der Verhältnisse. Darüber sprechen dürfen die Bankmitarbeiter jedoch vorerst nicht.

Bank-Austria-Chef Willibald Cernko hat am Donnerstag die Kunden in Inseraten um Vertrauen und um Geduld gebeten. „Geben Sie uns noch bis Anfang Dezember Zeit, um zu einer verantwortungsvollen Richtungsentscheidung zu kommen.“

Vom rigorosen Sparkurs der italienischen Großbank UniCredit ist die Bank Austria am härtesten getroffen. Sie muss alle Ostbankenbeteiligungen Österreichs an die Zentrale in Mailand abtreten. Das heißt, dass damit 47.800 der insgesamt 57.080 Bank-Austria-Gruppenmitarbeiter künftig direkt Mailand unterstellt werden, aus der Wiener Bilanz fallen mehr als zwei Drittel Jahresgewinne weg. Damit rücken die bisherigen Verluste im heimischen Retailgeschäft umso stärker in den Fokus, bei dem man pro Kunden jährlich 36 Euro Verlust erwirtschaftet. Rund 1,6 Millionen Kunden zählt die Bank in diesem Bereich. Die Personalkosten sollen deshalb um 14 Prozent gesenkt werden. Bis 2018 sollen 670 Jobs wegfallen. Das gilt aber nur, wenn ein Verkauf der verlustbringenden Filialsparte gelingt.

Die Bankmitarbeiter im Privatkundengeschäft fürchten drastische Einschnitte, wenn diese Sparte verkauft oder rückgebaut wird. Viele Mitarbeiter in Österreich seien verunsichert. Die Angst wegen des drohenden Arbeitsplatzverlusts sei groß, erklärte gestern die Gewerkschaft GPA-djp.

Sprechen dürfen die Mitarbeiter über ihre Ängste jedoch nicht. Die Bank-Zentrale hat auch den Landesdirektoren einen Maulkorb verpasst. Auch wie es für die Mitarbeiter der elf Tiroler Filialen weitergeht ist bislang unklar. Die Bank ließ aber verlautbaren, dass in Tirol in den vergangenen Jahren die Effizienz gesteigert wurde und die Filialen gut frequentiert seien. Die Mitarbeiter in Tirol seien demnach zuversichtlich. Seit 2013 wurden vier Filialen in Tirol geschlossen. Der Mitarbeiterstand sank von 174 auf 160.

Auch im Fall eines Verkaufs der Privatkundensparte würde sich für die Kunden nichts ändern, beschwichtigt die Bank-Zentrale in Wien. Dennoch sind die Tiroler Kunden der Bank Austria verunsichert. Bei einem Lokalaugenschein der TT vor der Tirol-Zentrale der Bank in Innsbruck zeigten sich Bank-Austria-Kunden aufgrund der mangelnden Informationen verunsichert. „Ich bin sehr verärgert“, sagt Ludwig Call. „Ich bin seit 76 Jahren Kunde der Bank und immer sehr zufrieden gewesen. Besonders ärgert mich, dass der Kahlschlag vom Ausland angeordnet wurde.“ Andere Kunden erwägen im Falle eines Verkaufs des Privatkundengeschäfts einen Wechsel des Geldhauses. „Wenn die Bank verkauft wird und die Filiale in der Innenstadt geschlossen wird, muss ich mir eine neue Bank suchen“, sagt Harald Hrabie.

Andere Banken sind indes schon beim „Kundenfischen“. „Sie suchen eine neue Bankverbindung? Wir freuen uns auf Sie“, heißt es auf Flugzetteln der Erste Bank, die am Donnerstag verteilt wurden. Es winken 20-Euro-Gutscheine für die Eröffnung eines neuen Kontos. (APA, ecke)

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