Landeck

„Manchmal sagen die Kinder auch zu uns Tante“

© Reichle

Elf Burschen besuchen die Kindergartenschule in Zams. Beim Boys’ Day machten sie anderen den Beruf des Pädagogen schmackhaft.

Von Matthias Reichle

Zams, Landeck –Wie spricht man einen Kindergärtner eigentlich korrekt an? Jedenfalls nicht „Onkel“, schmunzeln Jakob und Lukas. Während ihrer Praxisstunden in den verschiedenen Kindergärten des Bezirks werden sie gewöhnlich mit ihrem Vornamen gerufen. „Manchmal sagen die Kinder aber auch Tante zu uns“, lachen die beiden. Und natürlich staunen die Kindergartler erst einmal, wenn plötzlich ein Mann vor ihnen steht. Die jungen Paznauner besuchen derzeit die Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (Bakip) in Zams. Gestern drückten sie nicht die Schulbank, sondern machten anderen Burschen eine Zukunft als Kindergartenpädagogen schmackhaft. Am Boys’ Day stehen Berufe im Mittelpunkt, die eher weiblich dominiert sind. Lukas, Julian, Florian und David interessierten sich für einen solchen Karriereweg und ließen sich durch Schule und Praxiskindergarten führen.

„Die Kinder haben keine Scheu. Sie gehen gleich auf einen zu“, erklärt Jakob seine Erfahrungen in den Praxisstunden. Als Fußballgegner sei man natürlich sehr begehrt: „Aber wir scheuen auch die Puppenecke nicht.“

Die Burschen versuchen den Kindergärtnern gern zu imponieren, von den Mädchen gibt es ab und an auch ein „Liebesgeständnis“, lachen die beiden. Das freut sie natürlich. Auch die Eltern haben bisher immer sehr offen und interessiert reagiert.

Für sie war es vor allem der Wunsch, mit Kindern zu arbeiten, der sie dazu bewegte, den Beruf zu ergreifen. In der Hauptschule habe es schon fragende Blicke der Mitschüler gegeben – inzwischen sei es aber bereits besser akzeptiert, so Jakob.

Derzeit besuchen elf Burschen die Bakip in Zams: zwei die dritte, vier die zweite und fünf die erste Klasse. „Im letzten Schuljahr hat der erste junge Mann abgeschlossen“, erklärt Direktorin Helene Bouacem. Neuzugang ist „sehr erwünscht“, betont auch die Leiterin des Praxiskindergartens Ortrud Hauser. „Manche Kinder, die von Müttern allein großgezogen werden, haben bis zur Neuen Mittelschule keine männliche Bezugsperson“, betont sie – Kindergärtner schließen hier eine Lücke. Außerdem würden die Burschen anders auf die Kinder zugehen und sind als Spielpartner, zum Toben und Raufen sehr begehrt.

„Pfleger, Kindergarten­pädagogen oder Sozialarbeiter – das sind die Berufe, in denen die Männer in der Unterzahl sind“, betont auch David Auer vom Arbeitsmarktservice Land­eck. Auch er lud unabhängig zum Boys’ Day – und auch dort ging es zunächst um den Kindergarten. Zwölf Burschen von der NMS Zams und vom Programm IQ schauten sich mit ihm und AMS-Mitarbeiter Martin Semperl den Kindergarten Bruggen an. Am Nachmittag erklärte dann David Spiss, der mit der Organisation „Arbas“ Menschen mit Behinderung bei der Integration ins Arbeitsleben begleitet, worauf es beim Berufsbild Sozialarbeiter ankommt.

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