Flüchtlinge - Slowenien baut weiter an Zaun - Laufend Neuankünfte

Ljubljana (APA) - Slowenien hat am Donnerstag die Errichtung des Zauns an der Grenze zu Kroatien fortgesetzt. Unterdessen kamen weiterhin la...

Ljubljana (APA) - Slowenien hat am Donnerstag die Errichtung des Zauns an der Grenze zu Kroatien fortgesetzt. Unterdessen kamen weiterhin laufend ungehindert Flüchtlinge ins Land. Bis Donnerstagfrüh 6.00 Uhr erreichten erneut rund 3.400 Menschen Slowenien, am Mittwoch waren laut Polizeiangaben insgesamt 7.550 Neuankünfte gezählt worden. Seit Mitte Oktober passierten insgesamt 188.000 Flüchtlinge das kleine EU-Land.

Seit dem frühen Morgen rollten die slowenischen Soldaten am Donnerstag erneut Stacheldrahtzaun entlang der Grenze aus, wie die slowenischen Medien berichteten. Die Arbeit wird in der Grenzregion Brezice, die bisher am meisten unter Druck stand, fortgesetzt. Auch in die Gemeinde Sredisce ob Dravi wurden am Donnerstag Drahtrollen gebracht und Soldaten begannen damit, die Trasse für den Stacheldraht vorzubereiten. Laut Tageszeitung „Delo“ soll sich der Zaun links und rechts vom dortigen Grenzübergang in der Länge von jeweils einem halben Kilometer erstrecken.

In der Nähe des Grenzübergangs Rigonce (Gemeinde Brezice) stehen seit Mittwoch bereits rund zwei Kilometer des mannshohen NATO-Drahts, die vom Dorf Veliki Obrez entlang des Grenzflusses Sotla bis zum Grenzübergang ausgerollt wurden. Die Arbeiten setzen sich am Donnerstag flussaufwärts in Richtung des Grenzübergangs Rakovec fort.

Insgesamt 80 Kilometer Zaun sollen an den kritischen Abschnitten der slowenisch-kroatischen Grenze ausgelegt werden. Ljubljana beteuert, dass der Zaun dazu dienen soll, den Flüchtlingsstrom zu den vorgesehenen Eintrittspunkten zu lenken und zerstreute Übergänge über die Grüne Grenze zu vermeiden.

Laut einem Bericht der Tageszeitung „Delo“ soll der Stacheldraht in insgesamt zehn Grenzgemeinden vom Südosten nach Nordosten des Landes ausgerollt werden. Die Behörden geben im Voraus keine offiziellen Erklärungen ab, wo überall Stacheldraht aufgestellt wird, weil die Maßnahmen als vertraulich behandelt werden. Auch die betroffenen Gemeinden werden erst unmittelbar vor dem Baubeginn darüber benachrichtigt.

Der Zaun wird nicht durchgehend sein. Zäune sollen an jenen Abschnitten aufgestellt werden, wo die Behörden die größte Gefahr für unkontrollierte Übertritte über die Grüne Grenze sehen. Der Zaun beginnt in der Grenzgemeinde Brezice und soll Berichten zufolge auch in den Gemeinden Bistrica ob Sotli, Podcetrtek, Rogatec, Zetale, Podlehnik, Videm, Zavrc, Sredisce ob Dravi und Razkrizje gebaut werden. In Razkrizje wurde schon am Mittwoch rund um den Grenzübergang Gibina bereits ein halber Kilometer langer Zaun aufgestellt.

Der Zaun droht unterdessen einen neuen Grenzstreit zwischen Slowenien und Kroatien zu entfachen. Zagreb protestierte am Mittwoch, dass Teile des slowenischen Grenzzauns auf kroatischem Territorium aufgestellt worden seien. Kroatien forderte, dass Ljubljana die umstrittenen Zaunabschnitte beseitigt, andernfalls würden die kroatischen Behörden dies übernehmen.

Umstritten ist der Zaun am Grenzübergang Rigonce, wo der Verlauf der Grenze noch nicht festgelegt ist. Die slowenische Innenministerin Vesna Györkös Znidar beteuerte am Mittwochabend im slowenischen Fernsehen erneut, dass der Zaun ausschließlich auf slowenischem Gebiet aufgestellt werde. „Wir errichten den Zaun auf unserem Gebiet und meiden strittige Gebiete“, sagte die Ministerin. „Diese Maßnahmen haben nicht das Ziel, die Grenze zu markieren“, fügte sie hinzu. Sie sei überzeugt, dass Kroatien alle Handlungen, die zu einer Eskalation führen könnten, unterlassen werde.