Klimagipfel - Forderung nach Gerechtigkeit für Entwicklungsländer

Wien (APA) - Um die angestrebte Begrenzung der globalen Erwärmung um zwei Grad zu erreichen, brauche es mehr Anstrengungen, mehr finanzielle...

Wien (APA) - Um die angestrebte Begrenzung der globalen Erwärmung um zwei Grad zu erreichen, brauche es mehr Anstrengungen, mehr finanzielle Mittel und einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag. Darauf wiesen Vertreter der Allianz für Klimagerechtigkeit im Vorfeld des UN-Klimagipfels am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien hin.

Die Allianz versteht sich als breites zivilgesellschaftliches Bündnis und besteht aus 24 Organisationen. Sie verlangt, dass die Industriestaaten einen fairen Beitrag zum Klimaschutz und bei der Unterstützung von Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern leisten. „Die Auslöser des Klimawandels können sich am besten schützen. Arme Länder leiden am meisten und haben am wenigsten dazu beigetragen“, erklärte Martin Krenn, Experte der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz.

Wie das in einer armen Region aussehen kann, verdeutlichte Jennifer Liang von der indischen NGO „The Ant“, einer Projektpartnerin der Dreikönigsaktion: Im Nordosten Indiens mit dem Bundesstaat Assam sind nach ihren Worten seit zehn Jahren ein Temperaturanstieg, ausbleibender Regen, unvorhergesehene Monsune, plötzliche Fluten oder nicht absehbare Dürrezeiten zu beobachten. 86 Prozent der rund 40 Millionen Bewohner leben von der Landwirtschaft.

Kleinbauern stehen damit vor häufig nicht aus eigener Kraft zu bewältigenden Problemen. Sie geben die Landwirtschaft auf und wandern auf der Suche nach einem Erwerbseinkommen in die Städte ab. Frauen und Kinder bleiben zurück, die Armut nimmt zu. Zugleich kommen Migranten aus Bangladesh, die ihrerseits vor Überschwemmungen und Dürre aus ihrer Heimat vertrieben wurden. 2012 kam es in Assam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und den muslimischen Zuwanderern.

Die Allianz fordert die Aufstockung des österreichischen Beitrags für den im vergangenen Jahr beschlossenen sogenannten Green Climate Fund auf 100 Millionen US-Dollar und jährlich 80 Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln für Klimaschutzprogramme in Entwicklungsländern. Bisher wurden als Erstbetrag 25 Millionen Dollar zusagt - 2,9 Euro pro Kopf der Bevölkerung, wie Krenn vorrechnete. Schweden steuere 60 Mal so viel bei und sogar Spaniens Beitrag liege höher.

Die Wende beim Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase müsse spätestens im Jahr 2020 erfolgen, erklärte Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur. „Die Klimakonferenz in Paris ist darauf ausgelegt, eine Entscheidung zu treffen“, sagte die Wissenschafterin. Im Fall eines Fehlschlags des UN-Gipfels, der Ende November beginnt, „wir noch viel mehr Verantwortung auf den Ländern lasten“, betonte Kromp-Kolb, die ebenfalls ein Manko seitens der heimischen Politik sieht. „Österreich trägt seinen Beitrag nicht bei, obwohl wir könnten“, konstatierte die Klimaforscherin unter Hinweis auf bereits vorhandene Technologien und das in der Bevölkerung existierende Bewusstsein für Klimaschutz.

Drastischer drückte sich Global-2000-Klimaexperte Johannes Wahlmüller aus: „Die Regierung steht taten- und planlos daneben“, sagte der Fachmann, der „politisches Leadership“ vermisst. Seiner Überzeugung nach drängt die Zeit. „Wenn wir es jetzt nicht schaffen, fahren wir den Planeten an die Wand.“