Hypo-Strafprozess - „Waren im Fall Jakljan unzureichend informiert“

Klagenfurt/Wien (APA) - Im Untreueprozess gegen Ex-Hypo-Vorstand Günter Striedinger in Klagenfurt ist am Donnerstag unter anderem der ehemal...

Klagenfurt/Wien (APA) - Im Untreueprozess gegen Ex-Hypo-Vorstand Günter Striedinger in Klagenfurt ist am Donnerstag unter anderem der ehemalige Vorsitzende des Aufsichtsrats als Zeuge befragt worden. Er erklärte, über die Eigentumsproblematik bei der kroatischen Insel Jakljan, auf der die Hypo dem kroatischen Unternehmer Goran Strok 2005 einen Grundstückskauf finanzierte, nicht im Detail informiert gewesen zu sein.

Das Vorhaben auf der Insel Jakljan nahe Dubrovnik sei dem Gremium als einzigartig geschildert worden, erzählte der damalige AR-Vorsitzende, Wirtschaftsprüfer Karl-Heinz Moser. Daher war es für ihn ein „guter Deal“. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft endete das Abenteuer aus dem Jahr 2005 allerdings mit einem Untreueschaden von 6,7 Mio. Euro für die Bank.

Dazu hielt Staatsanwalt Norbert Ladinig Moser dessen Aussage aus dem Jahr 2010 vor. Da hatte Moser erklärt, dass dem Aufsichtsrat wesentliche Informationen vorenthalten worden seien. Dadurch sei das Gremium umgangen worden und habe keine Chance gehabt, seine Kontrollfunktion ausreichend zu erfüllen. So sei der Kreditausschuss über die Eigentumsproblematik - angeboten wurde die Liegenschaft von Serbien, im Grundbuch stand Kroatien - nicht informiert gewesen. „Ich hab mir gedacht, wenn der Eigentümer ein Staat ist, habe ich grundbücherlich keine Probleme“, sagte Moser.

Bei seiner Befragung bezeichnete der Zeuge Strok als „großen Kreditnehmer der Hypo, einen der Vorzeige-Entwickler und einen überzeugenden Unternehmer“. Über den wirtschaftlichen Hintergrund des Unternehmers wusste er nichts.

Dass der damalige Vorstand Striedinger Bankgarantien ohne vorherige Beschlussfassung durch die Gremien zugesagt hatte, sieht er auch heute nicht als besonders problematisch. Es sei damals bei Großbanken nicht unüblich gewesen, dass ein Vorstand schnell entscheiden musste und ein Kreditvolumen von den zuständigen Gremien erst im Nachhinein genehmigt wurde, erklärte er.

Ein weiterer Zeuge an diesem Tag, ein ehemaliger Kundenberater der Hypo International, berichtete über die Abläufe in der Bank. Er habe seine Aufträge von seinem Bereichsleiter oder von Striedinger selbst bekommen. In Folge habe er den Kreditantrag erstellen, die dafür notwendigen Unterlagen einholen, den Antrag auf Plausibilität prüfen und dann seinem Bereichsleiter vorlegen müssen. Erst den fertigen Antrag habe man dem Kreditrisikomanagement (GMS) vorgelegt, das die Vorlagen prüfte und dann für die Beschlussfassung in die Gremien zurückschickte.

Im Falle der Jakljan-Finanzierung hatte sich die GMS-Abteilung geweigert, den Antrag zu unterschreiben. In einem solchen Fall habe man versucht, entweder auf die Einwände der Abteilung zu reagieren oder habe den Antrag trotzdem in das Kreditkomitee gebracht, erklärte der Zeuge. Das sei schon manchmal vorgekommen.

Weiters erklärte der ehemalige Hypo-Mitarbeiter, er persönlich sei von Striedinger nie unter Druck gesetzt worden, das Arbeitsverhältnis zu seinem Vorstand bezeichnete er als „korrekt“.

Die Hauptverhandlung wurde auf 17. November vertagt.

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